Seit einiger Zeit ist Google, bekannt als Marktführer unter den Internet-Suchmaschinen, in der Region unterwegs. Mit Spezialkameras auf dem Dach fotografieren die Google-Autos Straßenzüge, Häuserfronten und Gärten, um die Bilder ins Internet zu stellen. **Bilder auf rosenheim24.de**

"Google Street View" auf Bilderfang in Brannenburg: Die Kamera des Internetriesen "schaut" hinter Hecken und ins erste Stockwerk. OVB-Leserreporterin Carolin Baumann fotografierte den Wagen des US-Konzerns. Foto baumann
Während Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner mit dem Konzernriesen ringt, um einen besseren Datenschutz durchzusetzen, ist das Echo auf Google-Street-View im Raum Rosenheim gering.
Rosenheim/Landkreis - "Der Google-Wagen mit der Kamera ist in Prien angekommen, gesichtet am 29. April um 14.30 Uhr vor dem Rathaus", teilte ein Leser unserer Priener Redaktion mit. Auch in Rosenheim und im Inntal, beispielsweise in Raubling und Brannenburg, wurden die Autos schon gesichtet - in Bad Aibling und Wasserburg dagegen noch nicht.
Zu Aufständen wie im englischen Broughton kam es dabei nicht. In dem kleinen Dorf wollte ein Mann nicht, dass von seinem Haus Fotos gemacht werden, alarmierte die Nachbarn. Rasch war eine Menschenkette gebildet, die dem Auto den Weg verstellte - und so musste das Fototeam wieder umdrehen.
Weil Ministerin Aigner Google ein umfassendes Widerspruchsrecht abgerungen hat und "Street View"-Bilder mit deutschen Straßenzügen im Internet erst zu sehen sein sollen, wenn die Einsprüche berücksichtigt sind, hat Lampert im Brannenburger Ortsteil Thannerhut Info-Blätter und Einspruchsformulare an die Nachbarn verteilt. Laut Informationen unserer Zeitung ist dies die bisher einzige gebündelte Bürgeraktion im Zusammenhang mit "Street View".
Das Programm "Street View" startete der Internetkonzern 2007 in den USA. Ein Großteil der Straßenzüge kann man im Internet sozusagen per Mausklick befahren und dank der 360-Grad-Panoramabilder an den einzelnen Standpunkt sogar in alle Richtungen schauen. Aus Deutschland sind noch keine Bilder abrufbar - im Gegensatz zu einigen Städten in Italien, Spanien, Schweden, Großbritannien und den Niederlanden.
Google erklärt zu den Bedenken von Kritikern, die auch vor einem möglichen Missbrauch von Daten warnen (so werden auch WLAN-Netze registriert), man habe zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre wie die Unkenntlichmachung von Gesichtern oder Nummernschildern auf Fotos (im Fachjargon Verpixelung genannt) ergriffen. Die Vorteile von Street View reichten von der Tourismusförderung über die Suche örtlicher Geschäfte oder Treffpunkte bis hin zur Unterstützung von Immobilienkäufern und Mietinteressenten.
In Holland sind dank "Street View" sogar Diebe geschnappt worden: Ein 14-jähriger Bub hatte der Polizei in Groningen berichtet, zwei Burschen hätten ihn vom Fahrrad geschubst, sein Handy und 165 Euro gestohlen. Die Ermittlungen blieben zunächst erfolglos - bis der Bestohlene Monate nach dem Überfall zufällig ein Bild von sich und den Tätern bei "Street View" entdeckte. Der 14-Jährige ging mit dem gepixelten Foto zur Polizei, die von Google das Original anforderte und die Diebe dank des Bildes fasste.
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