Rosenheim/Miesbach - Die Rückkehr des Wolfes nach Oberbayern freut Tierschützer - ganz im Gegensatz zu den Almbauern. Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) hat 1600 Mitglieder, davon 110 im Almbezirk Ruhpolding, 100 in Aschau, je 80 in Oberaudorf und auf dem Samerberg, 70 in Grassau, 60 in Schleching, 50 in Bad Aibling, 40 in Brannenburg und 30 in Reit im Winkl. AVO-Vorsitzender Georg Mair erklärt, warum sie den Wolf fürchten.

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Aus einem Wolf werden zwei und daraus wird ein Rudel: Eine mögliche Entwicklung, die den heimischen Almbauern die Sorgenfalten auf die Stirn treibt.
Frage: Was sind die Bedenken der Almbauern?
Mair: Wir haben mittlerweile über ein Jahr Erfahrung mit dem Wolf. Die Weidesaison im letzten Sommer hat unsere Befürchtungen weit übertroffen. Wir haben über 40 Schafrisse zu beklagen im Bayrischzeller Gebiet und starke Beunruhigung bei Rinderherden. Wenn es mal keine Schafe gibt, dann geht der Wolf auf die Rinder los. Es ist derzeit zwar nur ein Wolf. Aber sein Ziel ist ja, eine eine Partnerin zu finden, sich zu vermehren und ein Rudel zu bilden. Und dann ist es um die Almwirtschaft am Alpenrand schlecht bestellt.
Frage: Wie ist das Gespräch mit Umweltminister Söder (wir berichteten) aus Ihrer Sicht verlaufen?
Mair: Wir sind der Meinung, dass Wolf und Weidewirtschaft nicht vereinbar sind. Wir haben dem Minister klar gemacht, dass keine Wolfspopulation aufgebaut werden darf. Der Wolf soll verschwinden oder weggeschafft werden. Es kann auch nicht sein, dass ein Landwirt seine Schafe aufzieht, im Sommer auf die Alm bringt und er dann, wenn eines vom Wolf gerissen wird, keine Entschädigung bekommt.
Frage: Aber es gibt doch Entschädigungen.
Frage: Der Wolf steht unter Schutz auf Bundes- und europäischer Ebene...
Mair: Ja, das wissen wir auch, dass der Wolf einen hohen Schutzstatus genießt. Für mich unverständlich, weil der Wolf in keinster Weise gefährdet ist. Aber unsere Arbeit hat auch einen hohen Wert, so bewirtschaften wir in Bayern 23 000 Hektar Kulturlandschaft, die dann .gefährdet wäre. Man sollte auch die vielen Pflanzen und Tiere berücksichtigen, die ebenfalls geschützt werden. Schneehühner, Raufußhühner - das sind stark gefährdete Arten. Sie werden dem Wolf preisgegeben.
Frage: Sind Hirtenhunde kein wirksamer Schutz?
Mair: Solche Hunde müssen aggressiv sein, in Fremdenverkehrsgebieten gibt es da große Probleme. Bei kleinen Herden ist der Einsatz von Herdenhunden auch sehr kostspielig.
Frage: Wie geht der AVO jetzt weiter vor?
Mair: Wir werden Öffentlichkeitsarbeit betreiben, die rechtliche Situation klären. Es wird immer auf deutsche und europäische Gesetze verwiesen. Die Wölfe in der Lausitz haben im Sommer 2010 26 Jungtiere aufgezogen. Wir meinen, das reicht. So ausgedehnte Weidegebiete wie bei uns sind sehr selten. Die sollte man schützen.
Interview: Christian Schernthaner
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