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Acht Stockwerke aus Holz

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Eiselfing/Bad Aibling - Das höchste Gebäude Deutschlands in Holzbauweise soll im Frühsommer in Bad Aibling entstehen: Der Achtstöcker wird von Huber und Sohn in Eiselfing gebaut.

OVB

© ENTWURF SCHANKULA

Auch außen als Holzbau erkennbar soll der Achtstöcker sein, der voraussichtlich im Mai in Bad Aibling entstehen wird.

Die Planungen sind praktisch abgeschlossen, die Fertigung der Bauteile in den Hallen der Firma Huber in Bachmehring ist in Vorbereitung: Rund sechs Wochen wird es dauern, bis die Einzelteile zusammengebaut sind, noch weniger, bis das Gebäude steht.

Es wird einer der "Leuchttürme" auf dem ehemaligen Kasernengelände in Bad Aibling, wo eine "energieffiziente Stadt" entstehen soll - eine "City of wood", wie es Dr. Ernst Böhm nennt, der Geschäftsführer von B & O Wohnwirtschaft, dem Bauträger. Für ihn ist nachhaltiges Bauen weitgehend mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz verknüpft. Und: "Ich sehe gute wirtschaftliche Chancen für den Holzbau", versichert Böhm.

Sein Unternehmen hat im letzten Jahr für rund 12 Millionen Euro Holzbauten verkauft - ein wachsender Markt vor allem auch bei Nachverdichtungen und Aufstockungen im städtischen Bereich, so der Architekt des Gebäudes, Arthur Schankula: "Es geht hier schon auch darum, zu zeigen, was Holz kann."

Und das ist eine ganze Menge, wie Josef Huber überzeugt ist. Letztes Jahr hat er mit dem Architektem und seinem eigenen Team in Bad Aiblings schon "geübt" und ein vierstöckiges Gebäude nur aus Holz errichtet - sogar der Liftschacht war aus diesem Material. Das geht beim aktuellen Projekt nicht ganz: Aus Brandschutzgründen muss beim Achtstöcker das Treppenhaus aus Beton gebaut werden. Alles andere aber kommt aus dem Wald, einschließlich der kompletten Geschoßdecken.

Der Brandschutz ist dabei eine der großen Herausforderungen. "Das Risiko darf für Bewohner und Feuerwehr nicht größer sein als beim konventionellen Bau, sonst hätte Holz im mehrgeschoßigen Wohnungsbau nichts zu suchen", betont Josef Huber.

Aber auch auf anderen Feldern beschreitet man mit dem Hochhaus teilweise Neuland. Statik, Schallschutz, Setzungssicherheit: Für viele Fragen brauchte es bei diesem Sonderbau eigene Untersuchungen und Gutachten, an denen unter anderem die TU in München sowie die Fachhochschule und das Fensterinstitut in Rosenheim mitwirkten.

Eingeflossen sind dabei die jahrelangen Erfahrungen aller Beteiligten mit dem Holzbau. Die Wandelemente werden aus massiven verleimten Holzlagen mit 18 Zentimeter Dicke gefertigt. Sie werden isoliert und teilweise mit Gipsfaserplatten, außen auch mit Holzschalungen verkleidet. So soll energetisch "beinahe Passivhaus-Standard" erreicht werden. Die Decken werden 20 Zentimeter stark und sind aus sogenanntem Brettsperrholz. Die Installationen sind bereits vorbereitet, Fenster schon eingebaut, wenn die Elemente auf die Baustelle kommen.

Beim Vierstöcker hat man letztes Jahr auf diese Weise pro Tag ein komplettes Stockwerk montieren können. "Da muss schon im Vorfeld absolut gewissenhaft gearbeitet werden bis ins Detail", so Josef Huber. Das gilt besonders auch für das neue Hochhaus. Denn mit den acht Stockwerken soll ja nicht nur ein prestigeträchtiger Rekord erreicht, sondern vor allem ein "Modell für die Wohnungsbauwirtschaft" entstehen, wie Arthur Schankula unterstreicht.

Als solches versteht B&O das komplette Projekt in Bad Aibling, das in den nächsten Jahren Schritt für Schritt erweitert werden soll. Nach dem Achtstöcker sind laut B & O für 2012 zehn Doppel- und Reihenhäuser aus Holz geplant, dazu ein Schallschutzbau. Insgesamt sollen 30 Gebäude enstehen. Dabei sollen Holzbau-Erfahrungen aus aller Welt einfließen: International würden Architekten zu einem beschränkten Wettbewerb dafür eingeladen, so Dr. Böhm. Im schwebt für das ehemalige Kasernengelände ein "weltweites Cluster für Holzbau" vor. Denn: Holz im Bau habe ökologische und emotionale Vorteile, technisch gesehen aber neben Vorteilen wie der schnellen Fertigung auch Nachteile, die es auszumerzen gelte: "Können muss man es."

Und zu teuer darf es nicht kommen. "Letztlich ist die Wirtschaftlichkeit auf dem Markt entscheidender als die Ökologie", ist Josef Huber überzeugt. Das Hochhaus wird von seiner Firma für gut eine Million Euro gebaut, das liege fünf bis zehn Prozent über dem konventionellen Bau, schätzt er.

Bei entsprechend großen Serien könnte diese Differenz schrumpfen. Und auf die hofft der Unternehmer durchaus. Derzeit macht inBachmehring der Holzbau neben der Fensterfertigung und anderen Geschäftsfeldern rund 40 Prozent des Umsatzes aus. "Aber auf der letzten Baumesse gab es großes Interesse der Wohnungsbau-Wirtschaft an unseren Lösungen. Ich glaube schon an Nachfolge-Aufträge", ist Josef Huber optimistisch.

Für den Bauingenieur sind die technischen Grenzen des Baustoffes Holz auch längst noch nicht erreicht. In der Regel seien die Elemente überdimensioniert, einfach weil entsprechende Untersuchungen fehlten. Das ändere sich derzeit auch im Zusammenhang mit dem Hochhaus Stück für Stück im Rahmen von Versuchen an Hochschulen und Fachinstituten: "Wir sind immer wieder überrascht, wie gut das Holz dabei abschneidet."

Karl Königbauer

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