Zur Diskussion um den EU-Beitritt der Türkei und zum Thema "Integration":
Zwischen Deutschland und der Türkei ist ein Kulturkampf entbrannt. Die Ablehnung einer Vollmitgliedschaft in der EU kann man unter diesem Aspekt sehen. Der Islam soll von Europa ferngehalten werden. In seiner Kölner Rede vom Februar 2008 hatte der türkische Premierminister seine Landsleute aufgefordert, ihre türkische Identität zu bewahren. Die Türkei ist zwar ein säkularer Staat, aber auch ein islamisches Land. Beim Besuch der Kanzlerin am Bosporus regte Erdogan an, türkische Gymnasien in Deutschland einzurichten. Dieser Vorschlag wird von Teilen der deutschen Öffentlichkeit als Unterwanderungsstrategie wahrgenommen. Das Lernen in der Muttersprache macht pädagogisch Sinn, schließlich gibt es auch bei uns Schulen, in denen die Unterrichtssprache Englisch oder Französisch ist. Die Idee einer deutsch-türkischen Alphabetisierung hat allerdings bei deutschen Eltern bisher noch keine Akzeptanz gefunden. Viele meinen, es werde zu viel Türkisch gesprochen bei uns. Einsprachigkeit und Assimilation sind Bestandteil der "deutschen Leitkultur". Integration beinhaltet aber das Angebot der Mehrheit an die Migranten zu einem gleichberechtigten Miteinander. Nach dem Verständnis mancher Deutscher wird die Eingliederungsleistung von den Zuwanderern allein erwartet. Integration in ihrem Sinne bedeutet Anpassung, also Schweinebraten statt Döner. Das demokratisch freiheitliche Selbstverständnis der deutschen Mehrheit ist vielen Türken fremd geblieben.
Walter Mayer
Rosenheim
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