Brannenburg - "So kann es nicht weitergehen. Dieser Lärm macht krank!" Doch den Behörden vor Ort sind die Hände gebunden. Denn: Das Gebiet untersteht der Weisung des Bundesverteidigungsministeriums.

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588 Unterschriften gegen den Fortbestand der Standortschießanlage in Hinterried überreichte Werner Bergmüller an Bürgermeister Mathias Lederer.
588 Unterschriften sammelten Werner und Marianne Bergmüller aus Bad Anger, um gegen den Fortbestand der Standortschießanlage in Brannenburg-Hinterried zu protestieren. Jetzt übergaben sie die Unterschriften auf insgesamt 88 Listen Brannenburgs Erstem Bürgermeister Mathias Lederer.
In wenigen Wochen hatte das Ehepaar Bergmüller die Unterschriften zusammen. "Viele, auch Auswärtige, haben bereitwillig unterschrieben", erzählt Marianne Bergmüller. Da ein großes Waldstück bei Gut Ried erst jüngst ausgelichtet wurde, sei der Schießlärm weithin zu hören. "Nicht nur bis Brannenburg sind die MG-Salven zu hören, sogar bis Flintsbach trägt sie der Schall. Selbst Besucher der Wallfahrtskirche Schwarzlack fühlen sich in ihrer Andacht gestört", weiß sie aus Gesprächen. Und nicht nur während der Woche werde "geknallt", auch am Samstagvormittag. "Dann kommen die Reservistenverbände. Dieser Lärm macht krank", klagt Bergmüller.
Bürgermeister Mathias Lederer hat viel Verständnis für die Empörung der Bürger. "Doch wir haben von Amts wegen keine Handhabe dagegen. Das ist allein Sache der Bundeswehr und des Bundesverteidigungsministeriums." Und auch der Schulterschluss mit Landrat Josef Neiderhell und ein intensives Gespräch mit Peter Utsch, stellvertretender Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall und als Standortältester zuständig für die Schiessanlage in Hinterried, brachte keine Bewegung in die Sache. "Die Bundeswehr hat die Widmung auf diesem Gelände. Diese vorhandenen Rechte können wir nicht aushebeln. Wir können die militärische Nutzung nicht verhindern", so Lederer.
Allerdings sei eines deutlich geworden: "Der Betrieb der Standortschießanlage in Hinterried wird von begrenzter Dauer sein." Sobald die Sanierungsarbeiten an der Schießanlage im Nesselgraben in Bad Reichenhall abgeschlossen sind, werde Hinterried als Ausweichplatz nicht mehr benötigt. "Solange müssen wir uns in Geduld üben", so der Bürgermeister. Im übrigen gehe die Landesverteidigung vor das Einzelinteresse, zumal es nur zeitlich begrenzt sei. Dazu stehe er als Bürgermeister.
Der stellvertretende Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Peter Utsch, bestätigte dem OVB auf Anfrage, dass die Schießanlage in Hinterried nach seinem Kenntnisstand ein "temporäres Problem" sei. "Sobald die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Schießanlage in Bad Reichenhall abgeschlossen sind, werden die Schulschießübungen der Reichenhaller Soldaten, die derzeit in Hinterried stattfinden, wieder im Nesselgraben abgehalten." Schließlich sei der ständige Soldatentransport aus finanzieller und zeitlicher Sicht auf die Dauer nicht akzeptabel, erklärte der Oberst.
Wie lange die Baumaßnahmen in Bad Reichenhall noch dauern werden und wie lange die Schießanlage benutzt werde, könne er aus heutiger Sicht nicht exakt sagen. Schließlich hänge die Fertigstellung von mehreren Faktoren ab. Wenn alles flott und reibungslos verlaufe, könne "der Sommer 2011" als Datum ins Auge gefasst werden. Insgesamt sei der Bedarf an Hinterried "stark rückläufig".
Als stellvertretender Kommandeur und Standortältester sei er auch zuständig für die Vergabe der Schießkontingente. "Zu 80 Prozent wird die Anlage in Hinterried von Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 genutzt." Diese üben während der Woche mit der Pistole P8, dem Sturmgewehr G36 und dem Maschinengewehr MG3. Gegen 16 Uhr sei dann Schluss, selten werde auch nachts geschossen.
Nur zu einem geringen Teil würden dort die Soldaten für ihren Einsatz in Afghanistan vorbereitet. "Dazu brauchen wir ein größeres Gelände, weshalb die Einheiten auf ausgewiesene Truppenübungsplätze ausweichen", so Utsch.
Am Samstagvormittag werde der Platz von Reservistenverbänden, die zum überwiegenden Teil aus der Region Rosenheim kommen, belegt. Aus Witterungsgründen üben sie nur von März bis Oktober. "In der kalten Jahreszeit besteht kein Bedarf."
Insgesamt sei er sich der Problematik bewusst und vergebe sehr überlegt Schießkontingente. "Wir wollen die Nerven der Bürger nicht über Gebühr strapazieren." Doch eines sei klar: Damit die Soldaten ihre Aufgaben erfüllen können, müssen sie hinreichend geschult sein. "Wir haben auch eine Verantwortung unseren Männern gegenüber", so der Oberst.
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