023.12.09|Rosenheim Land|Rosenheim Land|
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In ihrer Jahresabschlussfeier hat die Sudetendeutsche Landsmannschaft (SL), Ortsgruppe Stephanskirchen, Altbürgermeister Rudolf Zehentner für seine besonderen Verdienste um den "vierten bayerischen Stamm", den Sudetendeutschen, mit einer Dankurkunde und Medaille geehrt. Die von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen, unterzeichnete Urkunde wurde dem Geehrten von SL-Obmann Erwin Licht überreicht.

© OVB
Für seine langjährigen Verdienste um die Sudentendeutschen im Stephanskirchener Ortsteil Haidholzen wurde Altbürgermeister Rudolf Zehentner (Mitte) in Anwesenheit von Franz Neubauer (links), ehemals Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, von SL-Obmann Erwin Licht (rechts) mit einer Dankurkunde und Medaille geehrt. Foto engelhardt
Stephanskirchen - Den Ortsteil Haidholzen, der ursprünglich "Kleinreichenbach" heißen sollte, gibt es erst seit gerade einmal 60 Jahren. Noch gegen Kriegsende gab es dort nur Wald und zwischendrin einige versteckte Baracken, in denen Dachauer KZ-Häftlinge Flugzeugmotoren, Flak-Teile und anderes militärisches Kleinzeugs fertigen oder reparieren mussten. Nach Kriegsende fanden tausende Sudetendeutsche, die aufgrund der Benesch-Dekrete aus ihrer angestammten Heimat vertrieben worden waren, in der Gemeinde Stephanskirchen provisorisch Unterkunft und später ihre neue Heimat. In Baracken wurden sie zuerst auf dem Gelände der ehemaligen "Flak-Kaserne" untergebracht und von der gleichermaßen notleidenden Bevölkerung versorgt. So manchem älteren Bürger im Ortsteil Haidholzen ist sicherlich noch die dortige "Baracken-Lagerschule" in Erinnerung, die Lehrer Leopold Lukas dort mit einfachsten Mitteln etablierte.
"Egal, ob Altbaiern, Franken, Schwaben und jetzt Sudetendeutsche, wie alle fühlen uns heute als Bayern", so SL-Obmann Erwin Licht bei der Verleihung der Urkunde und Medaille an Altbürgermeister Zehentner. Leicht sentimental fügte er hinzu: "viele können sich kaum noch an damals erinnern, als die Füße nicht mehr weiter tragen konnten; wir denken in solch einem Augenblick wie jetzt wehmütig an die verlorene Heimat und freuen uns gleichzeitig, in der Gemeinde Stephanskirchen als 'vierter bairischer Stamm' eine neue Heimat gefunden zu haben. Und Sie, Herr Altbügermeister Zehentner sowie Ihr Vater Sepp Zehentner haben viel dazu beigetragen."
Der so Geehrte ließ die Geschichte und den Werdegang der Sudetendeutschen in Haidholzen nochmals Revue passieren. Damals, als Junge, so Zehentner, habe er oft seinen Vater, der seinerzeit als Bürgermeister auch für das "Barackenlager" zuständig war, dorthin begleitet und das Elend der aus ihrer Heimat Vertriebenen kennengelernt. Das sei an ihm hängengeblieben. Später, während der Studienzeit, habe er sich intensiv mit der Thematik der Vertreibung befasst.
Und als er dann zuerst als Zweiter und danach als Erster Bürgermeister in die Fußstapfen seines Vaters getreten sei, habe seine besondere Fürsorge den Haidholzener "Neubürgern" gegolten. Es sei ihm auch als Geschichtslehrer daran gelegen, dieses traurige Kapitel in der jüngeren deutschen Geschichte nicht vergessen zu lassen, so Zehentner. Und deshalb habe er sich unter anderem dafür eingesetzt, dass die bekannte Wanderausstellung "In Bayern angekommen" auch in Stephanskirchen Station machte.
Als Ehrengast war Franz Neubauer, Staatsminister a.D. und ehemals Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, zur Verleihung der Auszeichnung an Stephanskirchens Altbürgermeister Rudolf Zehentner gekommen. Er ging unter anderem auf die Unterzeichnung des Vertrages von Lissabon ein und gab der Hoffnung Ausdruck, dass damit nunmehr auch ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den deutschen und tschechischen Nachbarn beginnen werde. je
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