Rosenheim - Plötzlich schnappt die Internet-Falle zu: Rollenspiele und Ego-Shooter auf Netzwerk-Plattformen lassen Stunden vor dem Bildschirm verfliegen - Schule, Job, Familie und Freunde bleiben links liegen.

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Gerade für Jugendliche kann der unterhaltsame Zeitvertreib im Netz schnell zur Abhängigkeit werden.
Wann und wie man sich rechtzeitig ausloggt, vermittelt das Rosenheimer Zentrum für Prävention und Suchthilfe. Diesen Sommer startete dort unter dem Motto „logout“ ein Kurs, in dem Jugendliche in einem frühen Stadium exzessiver PC-Nutzung den Weg zurück ins wahre Leben finden sollen – noch bevor sie zu Computerspiel- und Internetsüchtigen werden.
„Das ist bundesweit ein bislang einzigartiges Angebot“, bewertet Jannis Wlachojiannis, Beirat des Vorstands im deutschen Fachverband Medienabhängigkeit mit Sitz in Lüneburg, die Initiative. „Wir wollen den Teilnehmern helfen, ein verträgliches Maß an Spiel- und Internetzeit zu finden“, erklärt Kursleiter Benjamin Grünbichler.
Der zwei Jahre ältere Mike hingegen meldete sich selbst an – aus Angst, völlig die Kontrolle über seine Leidenschaft für Onlinespiele zu verlieren. „Ich bin gerade in meine erste eigene Wohnung gezogen – und allein habe ich das Zocken einfach nicht im Griff,“ sagt der Werkzeugmechaniker. In „Spitzenzeiten“ fesseln ihn virtuelle Schießereien bis zu 36 Stunden lang hinter dem Bildschirm. Bei „logout“ lernen die Jugendlichen in Gruppengesprächen, ihr eigenes Verhalten einzuschätzen, zum Teil werden die Eltern in diese Phase eingebunden. Dann folgen sportliche und erlebnispädagogische Aktivitäten – für Felix der beste Teil: „Wir waren Klettern. Da kommt man richtig an seine Grenzen und muss sich gegenseitig völlig vertrauen – das war echt der Hammer.“
Im dritten Teil durfte wieder gespielt werden – allerdings offline. „Als Alternative zum Internet gibt es viele strategische Brettspiele, die einen richtig fordern, ohne dass man allein hinterm Bildschirm versumpft“, erklärt Kursleiter Grünbichler. Den eigenen Körper jenseits der Finger auf der Tastatur zu erfahren und wieder Kontakt zu anderen Leuten aufzunehmen, hält er für die wichtigsten Schritte. Dazu würde er das bisherige Angebot gerne ausbauen. Bislang scheitert das aber an der Finanzierung. Internetsucht sei kein anerkanntes Krankheitsbild, erklärt er. Deshalb werde das Aussteigerprogramm nicht von den Krankenkassen, sondern von Spenden getragen.
Mike hat der Kompaktkurs das erhoffte „logout“ noch nicht gebracht. „Ich muss erstmal mit professioneller Hilfe Dinge geregelt kriegen, vor denen ich ins Internet flüchte.“ Ob er das schaffen wird, weiß er noch nicht. Bei anderen trägt der Kurs sofort Früchte. Felix hat Online-Spielen abgeschworen und nutzt jede neu gewonnene freie Minute, um sich einer ganz realen Herausforderung zu stellen: dem Motorradführerschein.
Laura Hertreiter
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