Stephanskirchen - Lassen sich unter strahlend weiß-blauem Himmel die Schrecken des Krieges vermitteln? Die Interessengemeinschaft der Veteranen- und Soldatenkameradschaften im Landkreis schaffte den Spagat zwischen würdevollem Gedenken an die Gefallenen, Mahnung für den Frieden und Versöhnung sowie Freude an einem Traumtag, der 85 Vereine zu einem langen Festzug, einem Gottesdienst und einem Nachmittag im Festzelt vereinte.

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Ein prächtiger Festzug bewegte sich vom Bauhofpark zum Zelt der Landjugend.
Einen passenderen Ort für die Erinnerung an die Schrecken der Kriege gibt es wohl kaum im Landkreis: Am Bauhof der Gemeinde Stephanskirchen, wo früher eine Flak-Kaserne und ein KZ-Außenlager standen, fand der Gedenkgottesdienst der Interessengemeinschaft unter Vorsitz von Pius Graf statt. Nach Kriegsende entstand in der Nähe das größte Lager für Vertriebene im Landkreis Rosenheim. Von einem "sinnigen Ort" sprach Stephanskirchens Pfarrer Andreas Ager.
Er wies darauf hin, dass die Gedenkfeier nicht nur einen historischen, sondern auch einen leidvollen, hochaktuellen Bezug besaß: Erneut sind zwei in Afghanistan getötete Soldaten zu beklagen. Ager sah trotz der Tatsache, dass sich auf der Welt derzeit viele Kriegsschauplätze befinden, Zeichen der Versöhnung, die Mut verbreiten. Als Beispiele nannte der Geistliche die örtliche Otfried-Preußler-Schule, in der sogar "Konflikttraining" auf dem Stundenplan steht - seither seien auf dem Schulhof kaum noch Raufereien zu schlichten. Ein weiteres Zeichen sei ein deutsch-russisches Konzert des Männergesangvereins Schloßberg, der auch den Festgottesdienst gemeinsam mit der Musikkapelle Stephanskirchen untermalte. Die Väter der Sänger hätten sich noch auf den Schlachtfeldern gegenüber gestanden, die Kinder würden nun gemeinsam singen - laut Ager Beispiele für eine neue Weisheit, die den Gedanken der Versöhnung verbreite.
Bürgermeister Rainer Auer erinnerte an die Wurzeln kriegerischer Auseinandersetzungen. Immer seien sie darauf zurückzuführen, dass Populisten vorgaukeln würden, es gebe gute und schlechte Völker oder wahre und unwahre Religionen. Wer die Meinung vertrete, zu wissen, dass er dem richtigen Volk angehört oder den einzig wahren Glauben hat, beende den Gedanken der Toleranz und überschreite die Schwelle zum Fundamentalismus, ist Auer überzeugt.
Auch die junge Generation ist zur Freude des Bezirksvorsitzenden Graf an einer Aufarbeitung der Kriegsfolgen interessiert. Das zeige das ungebrochen große Interesse der Nachkommen an der Suche nach vermissten Angehörigen. 35800 Anfragen seien allein im vergangenen Jahr an den Volksbund der Kriegsgräberfürsorge gestellt worden, berichtete Graf. 1,3 Millionen ungeklärte Fälle gebe es noch immer. 46 200 Gefallene seien noch 2010 umgebettet worden. "Auch die Enkel und Urenkel wünschen einen Ort zum Trauern", bilanzierte Graf. "Wie wir mit unseren Toten umgehen, prägt auch unser Bild im Ausland", ist er außerdem überzeugt, dass die Pflege von Soldatenfriedhöfen und die Suche nach Vermissten nach wie vor Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung benötigen.
Graf und Neiderhell legten deshalb an einem symbolisch errichteten Kriegergrab einen Kranz nieder. Die Fahnen der 85 Vereine senkten sich zu Ehren der Gefallenen, die 1200 Gäste starke Festgesellschaft verharrte schweigend in Erinnerung an die Opfer der Weltkriege und die getöteten Soldaten in Afghanistan.
duc/Oberbayerisches Volksblatt
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