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Rosenheim: Kältehoch Cooper sorgt für sibirische Temperaturen in Stadt und Land

Wer friert, ist falsch angezogen

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Rosenheim - Trotz eisiger Kälte gehen die Rosenheimer gelassen mit den arktischen Temperaturen um. Vor allem jene, die draußen arbeiten:

In der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Rosenheim ist von einem Ausnahmezustand noch nichts zu spüren. „Die Kälte hat kaum Auswirkungen bei uns“, sagt Dr. Michael Bayeff-Filloff. Am Wochenende suchten zwei Holzarbeiter mit Erfrierungen an den Händen die Notaufnahme auf. In einem schlimmeren Zustand befand sich eine 71-jährige Brannenburgerin, die am Wochenende westlich des Sulzberggipfels von zwei Bergsteigern stark unterkühlt aufgefunden wurde. Sie ist inzwischen außer Lebensgefahr. Dr. Michael Bayeff-Filloff setzt auf die Vernunft der Menschen, sich zu schützen, wenn sie sich ins Freie wagen.

„Gute Klamotten sind alles“, weiß auch Rosenheims Bauhofchef Werner Oeckler. Bodenarbeiten seien derzeit überhaupt nicht möglich. Darum würden sich viele Beschäftigte des Bauhofs der Baumpflege widmen: „Dazu muss man raus. Solange man sich bewegt, geht es auch.“ Allerdings wird die Kältephase im Bauhof in Rosenheim gezielt dazu genutzt, um Überstunden abzubauen. Viele Angestellte „überstehen“ die Minusrekorde gemütlich im warmen Zuhause.

Nicht freinehmen können sich die Müllmänner. Ihnen ist die derzeitige Wetterlage aber dennoch lieber als Schnee und Eis, denn: „Dadurch wird es viel schwerer, die Mülltonnen zu bewegen.“

Mit der sibirischen Kälte arrangieren muss sich auch die Polizei: „Die Kollegen wärmen sich zwischen den Einsätzen immer wieder in den Dienststellen auf“, weiß Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Ansonsten gehen die Beamten ihrer Arbeit genauso professionell nach wie an wärmeren Tagen, nur: „Die Optik steht nicht unbedingt an erster Stelle. Besser eine warme Stoffmütze anstatt der schicken Kappe.“

Völlig gelassen mit der Kälte geht Georg Tschiesche von der Metzgerei Angerer um, auch wenn er viel Zeit in seinem Würstelstand am Max-Josefs-Platz verbringen muss. Er setzt auf dicke Planen und einen Heizwärmer. „Die Temperaturen werden so ganz angenehm“, stellt er zufrieden fest.

Nicht unterkriegen von den eisigen Temperaturen lässt sich auch Alois Seehuber. Der 68-jährige Raublinger ist seit zwölf Jahren Zeitungsausträger beim OVB. Zuvor war er Jahrzehnte lang bei der Post beschäftigt. „Ich erinnere mich noch, dass es in den 70er Jahren einmal eine Woche lang minus 30 Grad hatte“, erzählt er. Warum die derzeitige Kältewelle trotzdem vielen Menschen zusetzt, erklärt er sich so: „Das liegt nicht an den Temperaturen, sondern daran, dass es in den Wochen vorher nie so richtig kalt war“. Handschuhe trägt Seehuber auch bei größter Kälte nicht. „Ja mei, i bin hoid a Naturmensch“, bekennt er.

Kinder lassen sich von der „Polarkälte“ sowieso weit weniger beeindrucken als die Erwachsenen. Diese Erfahrung macht man derzeit bei vielen Kindergärten. „Die Kleinen wollen trotzdem raus“, erzählt Petra Sziladi von der „Villa Kunterbunt“ in Bad Endorf. Man würde sich jetzt eben auf kürzere Ausflüge rund um das Haus beschränken.

Ähnlich gut die Kälte im Griff hat auch die Tierwelt. „99 Prozent haben ein gutes Winterfell“, meint dazu Johanna Halisch vom Rosenheimer Tierheim. Trotzdem würden viele Vierbeiner derzeit die Ausflüge ins Freie auf das Nötigste beschränken: „Selbst unsere ganz hartgesottenen Katzen ziehen es vor, die Nächte drinnen zu verbringen.“ Besitzern empfindlicher Hunderassen rät Halisch zu einem Mäntelchen.

Es gibt sogar Berufszweige, die von der anhaltenden Kälte profitieren. „Ich war am Wochenende fast rund um die Uhr im Einsatz“, berichtet Installateur Klaus Gantner aus Riedering. Eingefrorene Heizungen und Leitungen würden vielerorts für Probleme sorgen. Kaum mehr vor Aufträgen retten kann sich auch BayWa-Betriebsleiter Martin Berchtold als Heizöllieferant. Im vergangenen Winter sei die Nachfrage aufgrund der hohen Heizölpreise gering ausgefallen. Jetzt seien die Menschen ohne Rücksicht auf die Preislage praktisch zum Kauf gezwungen.

Mehr Arbeit wünschen sich dagegen die Taxifahrer. „Bei Schnee und Regen bekommen wir viele Aufträge. Bei Kälte nicht“, erklärt Tevfik Buhur, Zweiter Vorstand der Taxizentrale Edelweiss. Für seine Fahrer würde das lange Standzeiten bedeuten. „Das ist derzeit alles andere als angenehm!“ Besonders begehrt seien darum Taxis mit Standheizung.

Die meisten Klagen über die Frosttemperaturen kommen von Seiten der Pendler und Schulkinder – aus gutem Grund. Verspäten sich Busse oder Züge, bedeutet das für sie lange Wartezeiten in Eiseskälte ohne große Bewegungs- oder Wärmemöglichkeiten.

Karin Wunsam/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © Breitfuß/Kolaska

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