004.05.10|Rosenheim Land|Rosenheim Land|
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Steigende Kosten, zunehmende Bürokratie: Der Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und dem Bemühen um eine ganzheitliche, menschliche Pflege prägt nach wie vor den Alltag des Sozialwerkes Stephanskirchen.

© OVB
Der Vorstand des Sozialwerkes mit Thomas Blume, Mechthild Staufner, Dr. Andreas Daxer (von links) und Geschäftsführer Jürgen Wemhöner (rechts) ehrte Gründungsmitglied Irmela Mayer-Ultsch, die nach 40 Jahren aktiver Mitarbeit aus dem Beirat ausschied. Foto Schlecker
Stephanskirchen - "Wir helfen Ihnen, helfen Sie uns", appellierte Geschäftsführer Jürgen Wemhöner eindringlich an die Mitglieder und Förderer des Sozialwerkes bei der Jahresversammlung im katholischen Pfarrsaal Haidholzen. In der Tat kann das Sozialwerk, das im Jahr etwa 150 bis 170 alte, kranke und behinderte Patienten ambulant pflegt, ohne die Unterstützung der Mitglieder, Spenden und Zuwendungen seine wohltätige Arbeit nicht leisten. Denn das Sozialwerk muss die Folgen eines Gesundheitssystems ausbaden, das seit Jahren die Pflege mehr und mehr dem Spardiktat unterlegt. Die Problematik spiegelten die Geschäftszahlen 2009 deutlich wider: Den Einnahmen (Umsatz) von 660 725 Euro stehen um 45 000 Euro höhere Ausgaben für Personal, Verwaltung, Material und Anschaffungen gegenüber. Das Defizit ist jedoch gegenüber 2008, als es noch bei 110 000 Euro gelegen hatte, mehr als halbiert worden.
Ohne die Einnahmen aus Spenden und Zuschusstöpfen sowie Mitgliedsbeiträge, die bei 103 188 Euro liegen, sähe die Situation noch dramatischer aus. Das Sozialwerk unterstützen die politische Kommune, die Kirchen, die Rothmayer-Stiftung, der Landkreis, die Regionalwährung Chiemgauer, Bürger, die bei Beerdigungen und Geburtstagen spenden, sowie die 1247 Mitglieder mit ihren Vereinsbeiträgen. Ohne dieses finanzielle Engagement wäre die "Pflege mit Herz" angesichts des Spardiktats des Gesundheitssystems kaum mehr zu schultern. Denn das Sozialwerk setzt beim Personal weiterhin auf gut ausgebildete Fachkräfte, nicht auf Ungelernte, so Wemhöner.
Trotz des verringerten Defizits wird auch weiterhin jedes Geschäftsjahr vom Kampf mit den Kostenträgern geprägt sein, denn die Pflegezeiten werden immer knapper bemessen, der von den Krankenkassen geforderte Aufwand für Dokumentation und Verwaltung steigt, bedauerte Pflegedienstleiterin Renate Lenz. Den erhöhten bürokratischen Auflagen und dem Kostendruck stehe das Bemühen um intensive Pflege gegenüber. Hinzu kommen weitere Leistungen des Sozialwerkes, das Pflegebedürftige und ihre Angehörigen berät, hauswirtschaftliche Dienste sowie Hauskrankenpflegekurse durchführt.
Neuestes Projekt als Antwort auf die steigende Zahl Demenzkranker: ein Helferkreis Demenz mit ausgebildeten Ehrenamtlichen, die pflegende Angehörige für ein paar Stunden pro Woche daheim entlasten. Die Einsatzstunden sind nach Informationen von Leiterin Ute Kühnast von 2007, dem Projektstart, bis 2009 von 313 auf 762 gestiegen. Mittwochs von 9 bis 13 Uhr bietet das Sozialwerk außerdem einen betreuten Vormittagstreff für Senioren mit und ohne Demenz an. Zum Verein gehört auch ein Seniorenclub unter Leitung von Gertraud Schiffer, der Kaffeenachmittage, Tanzkreis, Sitzgymnastik, Gedächtnistraining, Spielenachmittage und Ausflüge anbietet.
Wie schwer die Arbeit in einem Gesundheitssystem, das einen rigiden Sparkurs fahren muss, geworden ist, zeigten die Ausführungen von Irmela Mayer-Ultsch, die zu den Gründerinnen des Sozialwerkes, das 2009 das 40-jährige Bestehen feierte, gehört. Sie zog sich nach 40 Jahren aus der aktiven Beiratsarbeit zurück.
Die Neuwahl des Vorstandes, geleitet von Bürgermeister Rainer Auer, bestätigte das Vertrauen der Mitglieder in das erfahrene Leitungsteam. Die Mannschaft mit Dr. Andreas Daxer an der Spitze, seinem Stellvertreter Thomas Blume, Geschäftsführer Wemhöner und Schriftführerin Mechthild Staufner wurde einstimmig wiedergewählt. Eine Ehrung erhielt Daxer, der nun seit 20 Jahren im Amt ist. "Wir haben bewegte Jahre hinter uns, wir kämpfen weiter", versprach er den Mitgliedern. duc
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