Das "Boisei" jetzt in neuen Gefäßen
415.09.09|Rosenheim LandFacebook
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Oberaudorf - Den Liebhabern des Oberaudorfer Weißbiers - genannt "Boisei" - ist es sicher schon aufgefallen: Es hat sich was an der Flaschenform geändert.

© Gruber
Bertl und Renate Bals mit ihrem "neuen" Boisei.
Seit kurzem präsentiert sich das Bier in neuer Euro-Form- nicht mehr in der traditionellen Lochmundflasche mit Bügelverschluss. Da Besitzer und Brauer Bertl Bals (75) gesundheitlich angeschlagen ist, entschloss er sich, zusammen mit Ehefrau Renate, das Geheimrezept an den Weilheimer Dachs-Bräu zu geben.
In Weilheim wird das Bier von Inhaber Günther Klose exklusiv gebraut und abgefüllt. Dann bringt der Bräu das "Oberaudorfer Lebenselixier", wie es auf den ebenfalls neu gestalteten Etiketten heißt, zurück in die Inntalgemeinde. "Es darf nur in unserer Region vertrieben werden. Dazu hat sich Dachs-Bräu verpflichtet", so Renate Bals. Mit diesem Schritt sei der Fortbestand der Traditionsmarke gesichert, betont die 66-Jährige erleichert.
© GruberHunderte von Verschlusskappen künden in der kleinen Brauerei von vergangenen Zeiten. Das "Boisei" wird jetzt in Euro-Flaschen abgefüllt und mit Kronenkorken versehen.Seit über einem Jahrhundert zählt das "Boisei" unter Bierliebhabern zu einem Geheimtipp. Leicht sei das Weißbier, nicht hopfenbitter. Der cremige Hefegeschmack erinnere im Abgang sogar an Bananen - so beschreibt Renate Bals liebevoll "ihr" Bier. Aus aller Welt erhalte sie Zuschriften von Bierkennern, die das "Boisei" in höchsten Tönen loben. Und dennoch: Vor wenigen Monaten stand die Traditionsbrauerei kurz vor dem Aus. Besitzer Bertl Bals musste sich einer schweren Operation unterziehen. "Ich habe alleine versucht, den Betrieb aufrecht- zuhalten", erzählt Renate Bals. Doch beim Rundgang durch die kleine Brauerei im Herzen der Inntalgemeinde wird klar, dass diese Aufgabe für die agile Geschäftsfrau nicht zu bewältigen war: Fast jeder Arbeitsgang ist noch von Hand zu erledigen.
Das Abfüllen der Lochmundflaschen, das Schließen des Bügelverschlusses, das Aufkleben der Etiketten - alles lief manuell. Renate Bals: "Mit einem Sud wurden 100 Träger gefüllt. Das waren 2000 Flaschen, die durch unsere Hände gingen. Als wir jung waren, war dies kein Problem. Doch jetzt, im Alter, haben wir die Arbeit kaum mehr geschafft. Man stelle sich nur vor, 2000 Flaschen mit dem Bügel zu verschließen. Da fallen einem abends die Hände ab."
Der Dachs-Bräu in Weilheim, ebenfalls ein Familienbetrieb mit über 100-jähriger Tradition, hat seinen Betrieb inzwischen modernisiert. Maschinen übernehmen die Handarbeit. "So eine Investition würde Tausende von Euro verschlingen. Eine Anschaffung, die in unserem Alter nicht mehr lohnt" - und auch Tochter Astrid, selbst Braumeisterin, sieht sich angesichts des hohen Kostendrucks und der kleinen Absatzmengen nicht in der Lage, die Brauerei weiter zu führen, sagt Renate Bals. So ging das streng geheime Bierrezept in die Hände von Günther Klose über. Ein Schritt, der trotz aller Schwere doch leicht fiel, weil Klose sogar ein entfernter Verwandter mütterlicherseits ist.
Erste Reaktionen der Kundschaft zeigen dem Ehepaar Bals, dass die Entscheidung richtig war. Manche bedauerten zwar das Wegfallen des Bügelverschlusses, alle freuten sich aber über die besondere Güte des Bieres. Renate Bals: "Vom Geschmack her hat sich nichts verändert. Im Gegenteil: Aufgrund des Kronenkorkens ist die hohe Qualität gleichbleibend gesichert." Wenn Ehemann Bertl gesundheitlich wieder auf dem Damm ist, dann sollen schönere Tage beginnen. "Wir wissen jetzt, dass die Traditionsmarke Bestand haben wird - und das ist ein gutes Gefühl!"
ge/Oberbayerisches Volksblatt
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