Brannenburg - Nach mehreren Anläufen hat es endlich geklappt. Ein Lastenhubschrauber brachte gestern zwei tonnenschwere Kuppelhälften für ein neues Teleskop auf den Wendelstein. **Fotos auf rosenheim24.de**

© Der Wind behinderte den transport der Kuppel-Halbschalen zunächst, am Nachmittag dann gelang die Montage.
Sternenforscher erhoffen Einblicke in Millionen Lichtjahre entfernte Planeten.
Chile, Hawaii oder eben doch (nur) der Wendelstein - in der internationalen Rangliste leistungsstarker Spiegelteleskope rangierte die Station hoch über Brannenburg bislang weit hinten. Nur 80 Zentimeter Durchmesser hatte das Teleskop in dem markanten Kuppelbau, der das Observatorium beherbergt. Zum Vergleich: Auf Hawaii gibt es eins mit zehn Metern Durchmesser, in den chilenischen Anden gleich vier Acht-Meter-Teleskope.
Jetzt soll am Wendelstein aufgerüstet werden. Das geplante Teleskop mit zwei Meter Spiegel-Durchmesser erreichte zwar nicht chilenische Verhältnisse, eignet sich aber bestens für die begleitende Forschung, wie Sternen-Forscher Ralf Bender erläutert.
Ralf Bender - er ist als Lehrstuhlinhaber für Astronomie und Astrophysik an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität München quasi der Hausherr des Observatoriums - war schon öfter in Chile, zuletzt im vergangenen Jahr. Forschungsauftrag: die dunkle Materie, die Millionen von Lichtjahre entfernt wabert. Doch der Andrang in den südamerikanischen Hightech-Sternwarten ist groß. Selbst der hauptberufliche Sternenforscher bekam nur einige Tage Zeit für Beobachtungen. In diesem Jahr sitzt er sogar in der Kommission, die die Plätze vergibt. Knapp 1000 Anträge liefen für ein Halbjahr aus aller Welt ein - "bewilligt werden kann nur ein Drittel", sagt Bender.
Er war gestern selber oben auf dem Wendelstein und beobachtete die Arbeiten. Die Plattform für die neue Anlage war bereits im vergangenen Jahr betoniert worden. Gestern hievte ein Kamov-Lastenhubschrauber mit zwei Rotoren die am Sudelfeld gelagerten, je 2,5 Tonnen schweren Kuppel-Halbschalen aus faserverstärktem Kunststoff auf knapp 2000 Meter Höhe. Mehrmals waren die Flüge verschoben worden, und auch gestern machte der Heli-Besatzung zunächst starker Wind zu schaffen. Doch am Nachmittag klappte es - und die Astrophysiker konnten einen Meilenstein beim Erbauen ihrer Anlage bejubeln.
Das neue Spiegelteleskop indes ist erst im Entstehen, die Optik wird gerade nahe Moskau geschliffen. 4,5 Millionen Euro kostet das Teleskop, 8,5 Millionen Euro die komplette Anlage. Im Frühjahr 2011 soll das Teleskop ebenfalls per Hubschrauber auf den Wendelstein geflogen werden. Dann ist der Blick auf weit entfernte Galaxien endgültig frei - sofern das Wetter mitspielt. Denn nur an durchschnittlich 130 Nächten im Jahr ist der Himmel am Wendelstein sternenklar. In Chile sind es rund 300 Nächte im Jahr - auch hier sind die Anden dem oberbayerischen Gebirge astrophysikalisch gesehen also einige Lichtjahre voraus.
dw
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