Rebers geht unter die Religionsgründer. Als selbst ernannter Reverend hebt er in seinem Programm "Ich regel das" die Glaubensgemeinschaft der Bitocken aus der Taufe, in der jeder ein bisschen Trost finden kann: Teilzeitjuden, Gelegenheitsmoslems und Ein-Euro-Christen. Zum warm werden schwört der preisgekrönte Kabarettist sein Publikum auf den Bau des "Großen Mompel" ein, ein Moschee-Tempel, den er im schlesischen "Boboluszki" erbauen will.

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Zwischen Reverend und Umweltaktivist: Andreas Rebers im Haberkasten. Foto vk
Überhaupt Schlesien: Wie ein roter Faden ziehen sich Anspielungen auf eine verklärte Schlesien-Romantik durch den Abend, gespickt mit seichten Wortspielen: Schließlich könne ein "Vertriebener" keine CDs "vertreiben". Aber so leicht macht es der Kabarettist dem Publikum nur selten, er hat auch Schwereres im Gepäck.
Im wahren Leben ist Rebers ohnehin kein Schlesier, sondern gebürtiger Niedersachse, der seinen Reverend als erzreaktionären Kleriker mit Hang zur Selbstjustiz ausbaut und damit dem Publikum einiges abverlangt - im positiven Sinn.
Unvermeidlich ist der Zusammenstoß des Reverends mit Frau Hammer, aus dem sich abstruse Verstrickungen ergeben. So etwa, wenn er der Umweltaktivistin erklärt, dass es schon in der Bibel heißt: "Macht euch die Welt Untertan". So gesehen sei Naturschutz ja Gotteslästerung.
Die Geschichte schaukelt sich hoch: Die überzeugte Umweltaktivistin überhört beim Radeln ein Elektroauto und während sie in der Klinik mit Hilfe von Schamanen "zusammengetöpfert" wird, übernimmt der Reverend die Erziehung des Hammerkindes. Er führt das Publikum in die Theorie seiner Dachlattenpädagogik ein: Dem widerspenstigem Nachwuchs wird "der Scheitel mit einer Dachlatte gezogen, bis die Kopfhörer aus den Ohren fallen und er endlich ansprechbar ist".
Dass die Figur des Reverend über zweieinhalb Stunden nicht langweilig wird, liegt daran, dass Rebers mal wie ein Rechtspopulist mit rollendem "R" schwadroniert, mal vertrauensheischend säuselt und, großartig, auch mal mit Donald-Duck-Stimme quäkt.
Aufgelockert wird das Programm durch "Arbeiterlieder in der Tradition von Brecht und Bohlen": Brecht für die geistig Reichen und Bohlen für die geistig Armen. Zum Repertoire gehört außerdem die "Kanzlerinnendämmerung" - in Form einer Grönemeyer-Parodie mit E-Piano.
Rebers bedient selten eine Erwartungshaltung, bestätigt selten ohnehin schon Gedachtes und verteilt - für Kabarett ungewöhnlich oft - seinen Spott am liebsten auf die Grünen.
Das Publikum im ausverkauften Haberkasten genoss jedenfalls die Messe des Reverend Rebers. In vollen Zügen.



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