Konzert mit Konstantin Wecker in RosenheimWecker ist angekommen
030.11.09|KulturFacebook
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"Stürmische Zeiten, mein Schatz" hat Konstantin Wecker sein aktuelles Programm, das er jetzt im Kultur- und Kongresszentrum in Rosenheim vorstellte, betitelt und stürmische Zeiten hat auch er persönlich immer wieder erlebt. Beides gab und gibt ihm stets Stoff für seine Lieder, seine Gedichte und natürlich inspiriert ihn das ganze Leben und insbesondere die Liebe, der mit Liebeslyrik und Liebesliedern die Priorität des Abends gehörte. Mit dabei waren Jo Barnikel, seit 16 Jahren Weckers kongenialer Begleiter am Klavier, und zum ersten Mal die vier Musiker des Linzer Spring-String-Quartetts, ein Cellist und drei Geiger. Sie definieren die klassischen Ausdrucksmöglichkeiten des klassischen Streichquartetts völlig neu mit ihrem Jazz-Rock-Classical-Crossover.

© OVB
Konstantin Wecker begeisterte mit seinem Rosenheimer Konzert. Foto jacobi
Rein optisch schon sehr beeindruckend nahmen zwei riesige Flügel links und rechts die vordere Bühne ein, dahinter formierten sich die vier langmähnigen Streicher. Liebespoesie von Brecht, Mozart, Rilke, über Goethe, Walser bis Schlegel las Wecker zu Beginn, wobei Heftig-Deftiges beinah Herrenwitz-Qualitäten hatte. Überaus gefühlvoll setzte er anschließend sein Liebeslied "Was ich an Dir mag" darauf und Jo Barnikel ummantelte es mit seinem filigranen Spiel am Piano. "Heut schau`n die Mädchen wie Engerl aus", er sang es als lyrische Aussage. Das Klavier setzte Akzente, die Streicher die Klangbasis. Man könnte meinen, daraus ergäbe sich "Schnulzgefahr", doch dem Liedermacher gelang es immer wieder, die Stimmung fast wie im Bruch zu drehen. Mit "Genug ist nicht genug" gab Wecker seinen Kommentar zum Wirtschaftsgau. Wie viele seiner Lieder war es aktuell wie eh und je. Wecker trieb hämmernd den Rhythmus am Klavier voran, Barnikel war ihm mit hoch präzisen Einsätzen genial-musikalischer Gesprächspartner. Als beide dann die Bühne dem Streichquartett überließen, glitten diese von Klassik in die legendäre Komposition "Smoke on the Water" von Deep Purple über und versetzten das Publikum mit ihren fetzigen Klängen in schiere Euphorie! Ob "Abschied von der Macht", die Liebe zu einer Hure, sein "Frühling werds" oder dem melancholischen Lied von der Oma, der Barde sang immer voll Inbrunst und Hingabe. Wecker ist berührbar und berührt. Er kann schwärmen von seiner "Mutterstadt" München und Emotionen frei setzen, wenn er Goethes "Willkommen und Abschied" rezitiert.
Resolut forderte er zur Seniorenrevolte auf, scharwenzelte mit dem geigenden Tango-Joe, spazierte durch die Reihen der Zuschauer, griff immer wieder gewaltig in die Tasten, wurde leise beim Blues. Beim süffisanten Song über "Kriegsminister zu Guttenberg, der schrecklichen Rache des Adels", gab er Zunder am Ende der Strophe mit: "Ich bring euch den totalen Krieg". Der Künstler hatte sich noch nie gescheut, den Finger an Wunden zu legen. Ganz leise wurde seine Stimme, wenn er von seinem verstorbenen Vater erzählte und seine Ode an ihn war eine besondere Liebeserklärung. Die Liebe und der Tod sind für Wecker nicht trennbar.
Als er ganz vorne an der Rampe sein "Stürmische Zeiten, mein Schatz" mit starker Stimme sang, dann wäre da ein furioser Schlusspunkt hinter ein großartiges Konzert gesetzt worden. Man hatte das Gefühl: dieser Wecker, so sanft und zugleich so hellwach, kritisch und liebevoll, zärtlich und zornig, besser denn je, ist angekommen in seiner ganzen Künstlerpersönlichkeit. Doch Wecker wäre nicht Wecker, wenn er, vom Publikum immer wieder stürmisch erklatscht, nicht Zugabe um Zugabe gebracht hätte. Hinreißend war auch sein musikalischer Dialog an den Klavieren mit Jo Barnikel.
Dreieinhalb Stunden, sie vergingen wie im Flug, einem wunderschönen Liebes- und Lebensflug.
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