Man kann inzwischen die erste Veranstaltung der "Sinfonischen Konzerte Traunstein" getrost als "Traunsteiner Neujahrskonzert" bezeichnen, widmet sich doch dabei das Musikkollegium Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel seit Jahren der Wiener Komponistengarde um Joseph Lanner und Johann Strauß. Auch in diesem Jahr begann unter dem Motto "Wiener G'schichten" das orchestrale Musikgeschehen in Traunstein mit Johann Strauß: Fesch und beschwingt eröffnete der Marsch "Frisch ins Feld" aus dem "Zigeunerbaron" den Abend.

© OVB
Augustin Spiel und sein Musikkollegium zelebrieren den Strauß-Walzer "An der schönen blauen Donau".
Nach diesem musikalisch eher zurückhaltenden Stück spürte das Publikum aus Strauß' farbenprächtiger Ouvertüre zu "Eine Nacht in Venedig" dessen ungestillte Sehnsucht, zur erlauchten Gilde der Opernkomponisten aufzusteigen - es war ihm mit dieser "Komischen Oper" und auch mit "Fledermaus" oder "Zigeunerbaron" nicht vergönnt. Die Polka Mazur "Die Libelle" von Josef Strauß, einem der erklärten Lieblinge des Dirigenten, spiegelte ganz ruhig und liebevoll die Schönheit eines anmutigen Insekts wider.
Zwischen den beiden Musical-Songs ließ Georg Holzner "I dreamed a Dream" aus "Les Miserables" von Claude-Michel Schönberg hören. Als Solist auf dem edlen Corno da Caccia adelte er die eingängige, ohrenfreundliche Musik. Schon vor der Pause hatte Konzertmeister Lauro Comploi an der Solo-Violine die "Meditation" aus Jules Massenets Oper "Thais" als inspirierte und eingefühlte Musik zum Mitatmen und Freiwerden gestaltet.
Augustin Spiel leitete sein inzwischen zum Sinfonieorchester gewachsenes Kollegium nicht nur umsichtig und konsequent, sondern machte dem Publikum durch seine freundliche Conference viele Details und Zusammenhänge aus dem Wiener Brutkasten von Walzer und Polkaseligkeit deutlich. Von Josef Lanner, der als "Erfinder des Walzers" gilt, ließ er die "Favorit-Polka" spielen, ein delikates Kleinwerk mit piano-souverän eingestreuten Trompetensignalen und einer frechen Piccoloflöte; von Franz Lehar hatte er den Walzer "Gold und Silber" auflegen lassen: ein Juwel unter den Wiener Walzern, hochwirksam, aber mit sehr sensiblen Passagen.
Die weiteren Programmteile: alles Johann Strauß! Als Geleit in die Pause "Wiener Bonbons", Tanzmusik vom Feinsten mit eigenwilligen und mitreißenden Themen; als Empfang zum zweiten Set, locker, lässig und brillant, der Einzugsmarsch aus dem "Zigeunerbaron"; als offizielle Schlussnummmer "Donner und Blitz": fulminant. Natürlich gab es danach, wie es sich für ein Neujahrskonzert gehört, noch den Walzer "An der schönen blauen Donau" mit liebender Sorgfalt nachdenklich, bewundernd und beschwingt, mit großer agogischer und dynamischer Raffinesse von Dirigent und Orchester gestaltet - das Meisterstück des Konzertabends. Konsequenterweise danach noch "eine kleine Klatschmusik" namens "Radetzkymarsch" ebenso zur Freude der Hornisten wie des Publikums.



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