019.01.10|Kultur|Kultur|
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1967 hatte Fantmas noch die ganze Welt bedroht. Mit der aktuellen Wirtschaftskrise aber ist zumindest der vermutlich teuflischste aller Filmverbrecher bescheidener geworden. Den Namen leicht verändert bedroht Fantomass jetzt Bayern vom Wasserburger Theater Narrenkeller aus. Weniger gefährlich aber ist er keineswegs, glaubt man Jörg Herweghs neuem Kabarettprogramm.

© OVB
Jörg Herwegh als Fantomass. Foto Janeczka
Unvergessen sind Fantmas und Kommissar Juve, gespielt von Jean Marais und Louis de Funès. Jörg Herwegh hat über die von Pierre Souvestre und Marcel Allain erdachten Figuren Besitz ergriffen. Die Rollen des Kommissars, des Journalisten Fandor und dessen Freundin Hélène übernahm Herwegh sicherheitshalber gleich mit. Jetzt terrorisiert Fantomass den Freistaat und strebt nach der Weltherrschaft. Denn "ois is global", so das neue Verbrecher-Superhirn.
Nach Kapitel aufgeteilt wie in einem Quentin-Tarantino-Film nahm Jörg Herwegh Ereignisse der jüngeren Vergangenheit aus Bayern und dem Rest der Welt aufs Korn. Er unterzog die Episoden bissigen und bisweilen messerscharfen Analysen. Dabei streifte er diverse Verschwörungstheorien. Und wer dran glaubt, der findet immer Parallelen zu den Offenbarungen des Johannes oder auch zum Illuminatenorden, dessen Gründer Adam Weishaupt aus Ingolstadt stammt. Längst scheint Bayern vom Verbrecherkönig unterwandert. Ob Fantomass tatsächlich maskiert als Stoiber, Beckstein und aktuell als Horst Seehofer agiert?
Schon allein die Ereignisse im Freistaat sorgten im Narrenkeller für ein abendfüllendes Kabarettprogramm. Weder Koalition noch Opposition blieben verschont. Selbst Vorzeigepolitiker Karl-Theodor zu Guttenberg hatte einiges auszuhalten. Denn geht es nach Fantomass, ist unser Verteidigungsminister das ideale Drei-Wetter-Taft-Modell: "Berlin, 6 Uhr 45, Regen und miese Laune, aber die Frisur sitzt. Kabul, 13 Uhr, trockene Hitze, Bombenstimmung und die Frisur sitzt immer noch." Herweghs Themenauswahl war ebenso amüsant wie umfangreich. Neben Politik und Wirtschaft wusste er auch bestens über die Psychologie der Männer Bescheid, wie man sich fühlt als "Lonesome Loser" auf der Suche nach dem G-Punkt in einer starken Frauenwelt.
Jörg Herwegh spannte ausgewogen den Bogen zwischen Kabarett und Comedy. Den grandiosen Louis de Funès als Kommissar Juve parodierte er auf fabelhafte Weise. Trotz jeder Menge Klamauk konnte sich das Publikum aber keineswegs zurücklehnen. Vielmehr war bei der Komplexität der Themen genaues Zuhören gefragt. Bisweilen aber blieb den Zuschauern beim Ernst der Lage schon mal das Lachen im Hals stecken. Verbirgt sich hinter all den absurden Vorkommnissen vom Kauf der Hypo Group Alpe Adria bis hin zur Mehrwertsteuerermäßigung für Hoteliers vielleicht tatsächlich Fantmas?

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