Es gibt kein Entkommen. Weder für die eine, noch für die andere. Beide werden ihrem Leben ein Ende setzen, in 60 Minuten. Was Gudrun Ensslin und Eva Hitler so kurz vor dem Suizid durch den Kopf ging, ist nicht überliefert. Wie auch?

© OVB
Überzeugende Vorstellung vor fast leeren Rängen: Dorothée Höhn als Gudrun Ensslin (links) und Claudia Hinterecker (rechts) als Eva Hitler in der Black Box im Haus der Kultur. Fotos ha
Eine Überlegung ist es dennoch wert, fand die Autorin Christine Brückner - und hat die fiktiven Gedanken in "Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen" veröffentlicht. Seit 1983 gehören die Monologe zu den meistgespielten zeitgenössischen Theaterstücken.
Auch die Athanor-Absolventin Chiara Nassauer greift in ihrem Theaterprojekt "Red Door Projects" auf diesen Stoff zurück: "Good girl gone bad - Der Braun-Ensslin-Komplex" heißt das Schauspiel, das am Donnerstagabend im Haus der Kultur in Waldkraiburg zu sehen und sehenswert war.
Politisch korrekt platziert die Regisseurin die beiden Frauen auf der Bühne. Rechts Eva Hitler (Claudia Hinterecker), geborene Braun, auf einem Stuhl inmitten einem Haufen Stöckelschuhe, irgendwo im Führerbunker. Links Gudrun Ensslin (Dorothée Höhn), auf einer Decke inmitten ihrer Bücher, irgendwo in Stuttgart Stammheim.
Immer wieder begegnen sich die Monologe, gegenseitig greifen die beiden Frauen Stichworte auf, reden über Liebe, Kinder, das Essen. Jede aus ihrer Sicht: Während Ensslin über den Hungerstreik sinniert, plaudert Hitler über das Leibgericht ihres Mannes.
So verschieden die Charaktere auch sein mögen, finden sich doch Gemeinsamkeiten: Für beide ist der Suizid die logische Konsequenz der Geschichte oder - von außen betrachtet - der Untergang der Scheinwelten.
Claudia Hinterecker und Dorothée Höhn machen Eindruck, monologisieren nicht nur, sondern spielen miteinander; die eine überzeugend mit der relativen Gelassenheit der Gattin des Führers, die andere ergreifend mit der glühenden Leidenschaft der Terroristin.
Bei allem Ernst der Lage ist auf beiden Seiten Platz für ein wenig Galgenhumor. Gelacht wird dennoch nicht im Publikum, zu schwer ist die Kost. Und der Applaus? Darf man das? Nach dem Suizid klatschen? Man darf. Auch wenn der Beifall dünn ausfällt angesichts der mehr als überschaubaren Besucherzahl. Leider.



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