030.03.11|Kultur|Kultur|
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Natürlich lehnt sich Charles Gounods "Faust" im groben Handlungsablauf an Goethes Faust an. Dabei kann und will der Musikdramatiker die philpsophischen Passagen der Vorlage gar nicht erst vermitteln, sondern richtet sein Augenmerk auf die Liebesgeschichte zwischen Faust und Margarete. Mit den Soldaten kommt darüber hinaus ein nationaler Aspekt hinzu - die Figur des Siebel eingeschlossen. Der Schluss - ohne Walpurgisnacht - betont schließlich die Verklärung der Margarete ausführlich.

© OVB
Voller Einsatz: Liviu Iftene als Faust (mit Christina Radu als Margarete).
Was nach der mehr als gelungenen Aufführung im Haus der Kultur in Waldkraiburg bleibt, ist vor allem der Eindruck eines starken Ensembles. Die Staatsoper Brasov hatte Sängerpersönlichkeiten im Gepäck, die zu Recht als Aushängeschild der rumänischen Opernszene gelten.
So erleben die Besucher mit Liviu Iftene zunächst den alten Faust, der von der ersten Note an die Partie mit vollem Einsatz gestaltet - und damit für seine Kollegen die Richtung vorgibt. Von der Bühnenpräsenz her ist ihm sein Gegenspieler, Dan Popescu, als Mephisto ebenbürtig. Ein echtes Erlebnis: Christina Radu als Margarete. Und Adrian Marcan gibt mit stählernem Timbre der Partie des Valentin gekonnt etwas heldenhaftes.
Doch auch die kleineren Rollen fallen daran gemessen nicht ab: Gabriela Hazarian als Siebel, Christian Fiararu als Wagner und Asineta Raducan als Marthe.
Am Pult führt Trajan Ichim suverän durch den Abend, wobei er das relativ kleine Orchester besonders im letzten Teil zu bombastischen Höhepunkten antreibt. Bemerkenswert: Der beeindruckende Soldatenchor mit sehr guten Männerstimmen.
In diesem Zusammenhang fällt auf, dass Gounods Oper einen Reichtum an Melodien verschiedenen Charakters bietet: mal volkstümlich, mal temperamentvoll, mal heldenhaft, mal lyrisch. Und mal dramatisch.
Nicht nur für die Sänger, auch für den Bühnenbildner ist "Faust" angesichts der Länge, der verschiedenen Schauplätze und der Zeit der Handlung eine echte Herausforderung: Serban Luca löst sie mit einem Stilmix, projiziert rund 20 Motive auf eine Leinwand in der Mitte des Hintergrunds: Dort ist mal eine mittelalterliche Stadtansicht zu erkennen, mal ein Kreuz in einer Wolkenlandschaft, dann wieder die Rückansicht von Gretchen im Brautkleid und schließlich eine Wand aus Goldbarren.
Mit wenigen Versatzstücken werden so die Spielorte ausreichend angedeutet. Auf jeden Fall gelingt es, Stimmungen zu erzeugen beziehungsweise zu verstärken. Ein interessantes, faszinierendes Bilderbuch.
In dieser Landschaft bewegen sich die Sängerdarsteller als würden sie dort wohnen. Die Regie wirkt harmonisch. Um das Bühnengeschehen zu beleben, werden schließlich noch die bösen Geister Mephistos erfunden: zwei Tänzerinen in schwarz-rotem Umhang und Vollmaske, die oft im Stil eines Modern Dance über die Bühne wedeln. Sie verhüllen die Verwandlung Fausts, sie verhüllen Valentin, wenn er im Duell fällt.
Der Bilderbuch-Effekt gibt der Inszenierung etwas Reales und verdrängt die fromme Sentimentalität, die dieser Oper zugeschrieben wird. Dadurch rückt die unvergleichliche Musik von Charles Gounod als absolutes Merkmal in den Vordergrund. Und mit ihr das ausgezeichnete Ensemble.

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