113.07.10|Kultur|Kultur|
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Nachdem man im vergangenen Jahr das Thema der weltweiten Finanzkrise wählte, indem man Höhenflug und Sturz im Bild des Ikarus thematisierte, wagt man heuer den Blick in die Zukunft. In den knapp 90 Arbeiten der insgesamt 24 Künstlerrinnen und Künstler aus der Region und München befindet man sich in einer Gedankenwelt, die sich mit den verschiedenen Medien präsentiert. Mit dem Titel "Spuren in die Zukunft" hat man bei der Jahresausstellung des Landkreises Rosenheim in Schloss Hartmannsberg das letztjährige Thema erweitert. Die Umsetzung erfolgt in den Medien Malerei, Skulptur, Fotografie sowie Installation und überrascht mit einer klaren Präsentation. Dass man sich in diesem Jahr nur auf etwa die Hälfte der Werkschaffenden begrenzt, hat sich gelohnt. Viele der Räumlichkeiten sind einer Künstlerpersönlichkeiten gewidmet. Ein Konzept, entwickelt von Christine Schönmetzler, welches eine vielschichtige Ausstellung entstehen ließ, die einen aktuellen Blick auf Zeitgenössisches in der Region freigibt. Ein schlüssiges Nebeneinander der 86 Arbeiten. Beim Durchwandern der Räumlichkeiten bleibt das Gefühl der Überschaubarkeit und einer geglückten Umsetzung des Themas.

© OVB
Martin Osters Leuchtkästen (von links) "Roboman", "Alexia" und "Song und Vega". Foto Mayer
Am Eingang begrüßt eine Skulptur von Erika Maria Lankes in gewohnt ausdrucksstarker Manier den Betrachter. "Ines Dobmeier, geb. Rosalski" ist ihr Name, nicht vollkommen, mit allen Spuren, die einem das Leben auferlegt, blickt diese in die Zukunft.
Als "Krone der Schöpfung" bezeichnen Hilde Manzke, Rudi Pflügel und Christine Schönmetzler ihre Rauminstallation zum Thema. Die Aiblinger Künstler Manzke und Pflügel überraschen immer wieder mit gemeinsamen Installationen. Zugemüllt mit all den Dingen des täglichen Lebens, schaffen sie hier einen Raum der Erkenntnis. "Schützt die Natur - heute und morgen" lautet der Appell von Gabi Dräger, die mit ihren floral bemalten Pizzaschachteln den Resten unserer Zivilisation ein ästhetisches Bild auferlegt.
Dieser Raum ist darüber hinaus den Arbeiten von Stefanie H. Friedrich gewidmet, die unter dem Titel "Second Life" eine Serie an expressiven Malereien liefert. Auf Zeitungspapier entstehen Bilder aus verschiedensten Fragmenten, die gewollt den systematischen Aufbau vermeiden. Motive und Material haben den gleichen Stellenwert. Die kaum überschaubaren Bilder handeln von einer wohlstandsbedingten Apathie unserer Zeit und arbeiten intensive Erlebnisse gesellschaftlicher Beobachtungen auf. Sie sind die Ergebnisse einer genauen Beobachtung ihrer Umwelt. Das sich wiederholende Motiv thematisiert OMI Schneider. Mit dem Verfahren des Siebdruckes stehen Ausschnitte im Mittelpunkt seiner im Raum nebenan gezeigten Arbeiten.
Die Überleitung zu den oberen Etagen bilden die Skulpturen von Barbara Giglberger-Kral. Ausdrucksstark, mit reizvollen Oberflächenstrukturen treffen die stelenartigen, eleganten und formreduzierten Figuren aus Ton, Erde und Sand Aussagen zum Menschen und seinem Tun. Die Malerei ist hier vertreten durch Jutta Mayr, die in einem ihrer Beiträge, "auf Sand gebaut - der Sand bleibt", das Thema bearbeitet. Eine fast schon grafisch wirkende Malweise und das Motiv der dem Betrachter abgewandten Figur beschreiben den Inhalt ihrer Malerei. Emotional im Ausdruck, ohne die ganze Wahrheit preiszugeben. Realistisch zeigen sich auch die Arbeiten von Hans Sagmeister. "Fängt mich keiner auf" oder "Meine Welt" titeln seine teils surrealen Gemälde. Er fixiert das Vokabular seiner Bildsprache, isoliert Details, Versatzstücke der Wirklichkeit und einer in die Zukunft weisenden Fantasiewelt. Abstrakt hingegen die Arbeiten von Anita Hühn, deren Serie der "Space Ships" eine Bilderfolge geheimnisvoll wirkender Räume darstellen.
Einen ganz besonderen Raum gestaltet Martin Oster mit seinen großformatigen Leuchtobjekten. "Roboman" und "Traudl" sind mehr als der Blick in eine nahegelegene Zukunft, vielmehr ähneln sie einem Science-Fiction-Spektakel Hollywoods. So liegen sie zwischen Schrecken und technischer Errungenschaft, dem vermeidlich Bösen im Guten.
Manfred Feith-Umbehr kombiniert Malerei und Skulptur. Immer wieder greift er in seinen Bildern das Thema der ausgestellten Skulpturen "Skyscraper" und "The Final Supper" auf. Feith-Umbehr präsentiert eine Malerei gekennzeichnet durch figural, reale Elemente, zu deren Entschlüsselung man sich Zeit nehmen sollte.
Judith Goldschmidt, deren zart figurales Thema geprägt ist vom körperlichen Ausdruck, platziert in dünnen Lasuren das Motiv auf den Malgrund. Passend hierzu wird im selben Raum eine Serie von Fotodrucken Bettina Gorns gehängt. Bewegte Körper, Momentaufnahmen einer Körperlichkeit, deren ästhetische Qualität verharren lässt.
Die Fotografie wird in der Ausstellung, ähnlich wie die zahlreichen malerischen Beiträge, in seriellen Arbeiten thematisiert, geben den Blick frei in die unterschiedlichen Techniken dieses Mediums. Otto Schindlers Polaroids, jedes Bild ein Original, unverfälscht das Ergebnis. Das Thema: eine gesellschaftliche Analyse.
Das Leben Marokkos in seinen unterschiedlichen Facetten skizziert Ingolf Bröhan in seinen Abzügen. Einen düsteren Ausblick liefert uns Marc Peschke in seiner Serie "After this Darkness there is another" oder Petra Schunk, die in ihrem "Einheitsbrei" jegliche Art der Individualität für die Zukunft vermissen lässt.
Zu guter Letzt seien noch die schwebenden Häuser von Christina von Bitter erwähnt. Eine Rauminstallation, bei der das Heim symbolisierende Haus den Raum einnimmt. Teils sind diese mit kleinen Leitern versehen, ein Zeichen des Ausbrechens in eine andere Welt? Die Fluchtmöglichkeit hierzu besteht zumindest.

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