Es wird wieder gefeiert im alten Gasthof Gillhuber: Premiere. Auf der Bühne. Und davor. Und sogar im ersten Stock. Denn wie immer kennt das Junge Landestheater Bayern (JLTB) auch am neuen Spielort keine Grenzen und lässt seine ehemalige Heimat, das "Theater am Tor" in Mühldorf, schon nach ein paar Minuten "Kasimir und Karoline" in Vergessenheit geraten.

© OVB
Wo die Pension zum Theater wird: Iris Teske als Karoline. Foto jltb
Gleich der erste Akt strotzt vor tollen Ideen. In zwei Gruppen geteilt, erlebt das Publikum die Einführung der Protagonisten - einmal oben im Flur der alten Pension, wo die Schauspieler zum Greifen nah sind, einmal unten im Saal, der kurzerhand zum Kino wird. Dann wird getauscht.
Intendant Matthias Fischer und die JLTB-Vorsitzende Vera Schweinstetter lassen nichts unversucht um ihren Auftrag zu erfüllen, wollen das jugendliche Publikum - Zielgruppe sind die Zehntklässler im Landkreis Mühldorf - kreativ für Theater begeistern. Unter ihrer Regie wird Ödön von Horváths Volkstheaterstück zu einem Mix aus Installation, Film und Theater. Mit jeder Menge Überraschungen. Darunter leidet ein wenig die Konzentration auf die Botschaft des Stücks, doch die wird ja auch im Vorfeld in den Klassen gesondert besprochen. Der zentrale Satz bleibt dennoch haften: "Was wir nach Außen bringen, dient nur dazu, das Innere noch mehr zu verbergen."
Ein Wort ergibt das nächste, Kasimir und Karoline driften in einem Dunst aus Missverständnissen, Alkohol und Gebrüll immer weiter auseinander - und lassen den Zuschauer am Ende nachdenklich zurück. Versöhnung? Oder doch die neue Liebe mit Eugen?
Geschickt holen Schweinstetter und Fischer "Kasimir und Karoline" ins Hier und Jetzt, in das Leben in der Töginger Hauptstraße: Mit Szenen, die sich im und vor dem Gebäude abspielen und live in den Saal auf die Videowand übertragen werden.
Dazu gehören nicht nur die richtige Technik, sondern auch die richtigen Schauspieler, die mit dieser Form der Inszenierung umgehen können. Und sie können das: allen voran die großartige Iris Teske als Karoline, dazu der hochtalentierte Daniel Gawlowski als Kasimir, der in dieser Rolle noch einmal einen Tick besser spielt als in "Rico, Oscar und die Tieferschatten". Aber auch Uwe Thomsen als Eugen Schürzinger, Eva Sättler als Nachbarin Maria und Andreas Klinger als betrunkener Kleinganove Franz Merkl machen ihre Sache gut. Vielleicht das schönste Bild bei all den Turbulenzen und Verwirrungen: wie Ulla Grzela als Merkls Ehefrau Erna im Rollstuhl zur Diskomusik tanzt.
Selbst Schuld, wer sich das entgehen lässt. Neben 50 Schulvorführungen sind auch drei Vorstellungen für die Öffentlichkeit vorgesehen. Die Plätze sind rar, denn der Flur ist eng.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.