623.10.10|Kultur|Kultur|
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Auf der Bühne steht nur ein kuhfellbezogenes Keyboard. Dann kommt der Paparazzo herein mit seiner "Uschi", einem überdimensional erigiertem Teleobjektiv, das er auf die Promis, Halb- und Viertelpromis richtet, am liebsten auf seinen Lieblingspromi, Loddar, die fränkisch-männliche Version von Luder - und Chris Boettcher hat sein Publikum von der ersten Minute an voll im Griff. Die Zuschauer im gerammelt vollen Lokschuppensaal kamen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Die Kleinkunsttage haben mit dem Sänger, Texter, Komponisten, Entertainer, Komiker und Parodisten Chris Boettcher, bekannt von Bayern 3, einen Höhepunkt erreicht. Die Mordsstimmung wogte gleich zu Beginn hoch bei "Waldis WM-Club" mit Angela Merkel, Jogi Löw, der "Lichtgestalt" Beckenbauer und Olli Kahn als Gästen - eine blitzschnell wechselnde Simultankonferenz, bei der man noch schneller lachen musste als die Pointen kamen, um keine davon zu verpassen. Intelligente Komik mit kabarettistisch-parodistischem Touch: So lässt man sich gern unterhalten und lacht bisweilen über seinem Niveau.

© OVB
Christ Boettcher begeisterte. Foto janka
Gnadenlos genau parodierte Chris Boettcher den säuselnden Boris Becker, Christian Wulff "die wandelnde Büroklammer aus Hannover", der "so berechenbar ist wie ein VW im ersten Gang", die Bayerische Boyband mit dem Namen "Wildbadkreuther Herzbuben", nämlich das Duo Seehofer/Stoiber, Hansi Hinterseer mit dem "atomgebleichten Lächeln" oder unseren geliebten wieder zurückgekommenen Howard Carpendale. Chris Boettcher genügten minimale Gesten und Mimiken, um die jeweilige Figur zu kennzeichnen, der Tonfall war bis zur Kenntlichkeit haargenau übertrieben. "Frenglisch with Loddar" erntete Lachstürme des kennerisch wissenden Publikums. In einem kleinen futuristischen Exkurs zeigte Boettcher die Folgen der erfolgreichen Integration in Bayern auf: Es spielen dann "die Dubaitaler" eine türkisierte Bayernhymne, bevor "Scharia und Margot Hellwig" jodeln...
Begeistert machen die Zuschauer mit bei den Songs, sie rappen geschlechtswechselnd "ah - uh" beim "Boris-in-Love-Rap" und stöhnen beim "Bockfotzengsichtsong", die Schenkel wurden langsam heiß vom ständigen Draufschlagen.
In einer frenetisch erklatschten Zugabe agierte Boettcher als immer noch cool rockender Peter Maffay, der ein Liebeslied auf seine Kuh sang, und natürlich durfte der "10-Meter-geh"-Song nicht fehlen, den manche schon mitsingen konnten.

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