Im früheren Ankleidezimmer der Hamberger-Villa hängt der Trachtenhut der letzten Bewohnerin neben einem großflächigen Bild, das geradezu von den leuchtenden Farben gesprengt wird. Im Schlafzimmer, dessen Lampen den Einrichtungscharme der 60er-Jahre versprühen, setzt ein Werk, das eine moderne, großstädtische Silhouette erkennen lässt, einen Kontrastpunkt. Alte Ornamenttapeten bilden die Kulisse für eine Arbeit, welche die Farben des Hintergrundes aufnehmen und wie für ihn geschaffen zu sein scheint. In der Galerie Pia Arce im neuen Ziegelberger Zentrum für Kunst und Design "La cuna del arte" setzt die Münchener Malerin Roswitha Huber erstmals ihre Werke in einen Bezug zum Raum.

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Roswitha Huber stellt in der neuen Galerie Pia Arce in Ziegelberg auch großflächige Malerei mit bis zu 20 Farbschichten aus. Foto Schlecker
Eine Herausforderung, die die Künstlerin mit Begeisterung angenommen hat. Denn die Absolventin der Akademie der Bildenden Künste München hat ihre Ausstellungskarriere in typischen Galerie- und Museumsräumlichkeiten in Bayern und in den USA, wo sie am California College of Arts in San Francisco studiert hat, begonnen und weitergeführt. Erstmals konnte die Malerin den "white cube", die weißen Ausstellungsräume, verlassen und mit ihren Werken in einen Dialog mit der Architektur eintreten.
Roswitha Hubers Leinwände, die bis zu 2,30 Meter hoch sind, entwickeln durch diese Bearbeitung eine gewaltige optische Kraft. Oszillierend leuchten die Farbzonen heraus, ziehen mit ihrer Energie den Betrachter in den Bann. Enorme körperliche Kraft benötigt die zierliche Künstlerin bei der Verwirklichung ihrer neuesten Technik: dem Splitting. Dabei häutet sie ihre eigenen Werke: Sie zieht die obersten Schichten entlang der Leinwand auseinander und entblößt das Bild hinter dem Bild. Ein Splitting-Triptychon zeigt in der Galerie Pia Arce die Vorder- und die Rückseite sowie eine Fotografie des Ursprungswerkes. Wiederkehrende Elemente schlagen den Bogen zwischen den drei Tafeln, trotzdem steht jede für sich.
Roswitha Huber spielt leidenschaftlich gerne mit dem Nebeneinander von Kreativität und Zerstörung, von Vorwärtsgehen und Zurückführen. Die Künstlerin, Jahrgang 1966, ist nach eigenen Angaben zur Erkenntnis gelangt, dass diese Inspiration aus einer intensiven Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft entsteht. Die Malerin, die viel in den USA ausstellt, ist in Vogtareuth aufgewachsen - auf einem Bauernhof. Ihre Kindheit war geprägt durch Erfahrungen mit der Schönheit und Lieblichkeit der Natur, aber auch mit ihrer Grausamkeit. Ein Frühlingsmorgen, der vom Gezwitscher der Lärchen erfüllt ist, gehörte ebenso dazu wie der Tod eines zu früh geborenen Kälbchens. Auch die Lebensmittelproduktion spielte eine große Rolle im bäuerlichen Alltag - und bis heute im Werk von Roswitha Huber, die sich von Essensmotiven inspirieren lässt. Wie Eidotter oder Ölkleckse im Salatessig stechen in ihren Malereien runde Formen aus den vertikal angeordneten Farbstreifen hervor.
Im Zentrum "la cuna del arte" zeigt die Münchenerin auch kleine Gelatinearbeiten, die ihre Lust am Experimentieren zeigen. Doch der Weg führt sie immer wieder zur klassischen Malerei zurück, die ihre Stärke vor allem in großen Formaten und vor Kraft sprühenden Farbkompositionen findet.



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