115.10.09|Kultur|Kultur|
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Aus Anlass des 20. Jahrestages der friedlichen Revolution in der DDR hat die Ernst Freiberger-Stiftung auf der "Straße der Erinnerung" jetzt das Denkmal des Berliner Bildhauers Rolf Biebl, "Wir sind das Volk" enthüllt. Bisher hat die Stiftung stets Einzelpersonen geehrt, die in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts als "Helden ohne Degen" Außergewöhnliches geleistet und vorbildliche Haltung bewiesen haben. Mit dem Denkmal "Wir sind das Volk" in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Originalteil der früheren Berliner Mauer wich sie nun von diesem Prinzip ab. Sie verließ auch die Zeitschiene der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, weil die friedliche Revolution der Menschen in der ehemaligen DDR von historischer Dimension ist. Sie war die Tat Hunderttausender, die gegen die kommunistische Diktatur aufbegehrten. Jeder Einzelne von ihnen ging dabei ein hohes Risiko ein, riskierte seine Gesundheit, sein Leben oder lief Gefahr, verhaftet zu werden. Sie alle müssen nach Überzeugung von Ernst Freiberger in einem Atemzug wie die anderen "Helden ohne Degen" genannt werden, die das Bild Deutschlands in der Welt positiv beeinflussten.

© OVB
Bildhauer Rolf Biebl, Joachim Gauck und Ernst Freiberger (von links) neben dem neuen Denkmal. Foto fkn
In der Festansprache lobte der frühere Bürgerrechtler und erste Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, Joachim Gauck, den Ameranger Unternehmer Ernst Freiberger, der mit der von ihm gegründeten Stiftung als Bürger seinen Mitbürgern Freude bereitete und gegen das Vergessen angehe.
Das Denkmal "Wir sind das Volk" ist das achte auf der "Straße der Erinnerung" am Spreebogen im Herzen Berlins. Die Gestalt, die mit dem Einsatz ihres ganzen Körpers die Mauer durchbricht, geht zurück auf einen spontanen Gedanken des Künstlers in der Nacht des 9. November 1989.
Der Bildhauer Rolf Biebl wurde 1951 in Klingenthal geboren. Von 1973 bis 1978 studierte er bei Werner Stötzer an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee Bildhauerei und war von 1980 bis 1983 - nach einer Aspirantur an der Akademie der Hochschule für Bildende Kunst in Budapest - Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR. Biebl erhielt in den folgenden Jahren Lehraufträge an verschiedenen Berliner Kunsthochschulen und wurde 1992 mit dem Lammert-Preis der Akademie der Künste Berlin ausgezeichnet.
Im Zentrum seiner Arbeit steht heute der menschliche Körper als Gefäß und Symbol für geistige und politische Strömungen unserer Zeit. Unvermittelt begegnet man Biebls Figuren an Plätzen, wo man sie nicht vermutet. So will er Menschen, die sonst keine Berührungspunkte zur Kultur haben, diese erleb- und anfassbar machen.

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