130.11.09|Kultur|Kultur|
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Mittlerweile ist es unumstößlich: Die Stadtpfarrkirche "Wiederkunft Christi" in Kolbermoor erhält eine Pfeifenorgel und die Verantwortlichen an der Spitze der gleichnamigen Organisation tragen mit der kulturellen Veranstaltungsreihe "Pizzicato", die mittlerweile ihre fünfte, erfolgreiche Saison erlebt, maßgeblich zur Finanzierung des sehnlichst erwarteten Kircheninstruments bei.
Im Rahmen dieser Reihe führten die beiden Kolbermoorer Kirchenchöre der katholischen Pfarreien "Wiederkunft Christi" und "Heilige Dreifaltigkeit" unter der Gesamtleitung von Gerhard Franke nach langer und intensiver Probenarbeit Haydns "Cäcilienmesse" auf. Bis auf den letzten Platz füllte sich das sakrale Rund, bevor die beiden Kirchenchöre bestechend scharf die zarten Eingangstakte des "Kyrie" setzten. Haydns Frühwerk im Bereich der Kirchenmusik, entsprungen aus der österreichisch-ungarischen Tradition der Marienverehrung und gemeinsamen Mariazeller Wallfahrt, vermag umgehend, den Zuhörer in seinen Bann zu ziehen, der sich im Spannungsverhältnis der liturgisch vorgeschriebenen Messteile befindet, diese aber durch eine nicht so übliche Unterteilung in einzelne Sätze eine musikalisch charakteristische Form und Ausdruckskraft bekommen, die tiefe Religiosität und kompositorische Schaffenskraft ausstrahlen. Gerhard Franke engagierte dazu das Orchester "Die Arche" in der genauen Besetzungsempfehlung des Werkes.
Das vorzüglich besetzte Ensemble gewann schnell die Sicherheit, die bei diesem schwierigen Werk einfach nötig ist, um Solisten und Chor eine verlässliche Basis zu geben. Das gelang unaufgeregt und behutsam und so tat es gut, dass eben der Gesang seine gewollt führende Rolle beibehalten konnte. Gerhard Franke schaffte es in wenigen, jedoch harten Probenwochen, die beiden Kirchenchöre mit Gastsängern zu einer gesanglichen Einheit zu verschweißen. Die in den Stimmen ausgewogene Prägnanz ließ eine "Cäcilienmesse" erleben, die chorisch von höchster Aufmerksamkeit, gutem Stimmvermögen und hoher Konzentration begleitet wurde. Im siebenteiligen "Gloria" wurde es schon bewusst, dass hier ein sakrales Werk mit ungewöhnlicher Ausdehnung gestemmt wurde. Im "Laudamus te" glänzte wieder einmal Dagmar Gareis mit ihrem oratoriumhaft geschulten Sopran, der gradlinig und in den Koloraturen gereift und nie ungenau die gestellten Aufgaben erfüllte. Im "Quoniam" bekräftigte sie diese Attribute deutlich. Tenor Richard Eschlbeck, ein erfahrener Solist, hatte nur manchmal in den hohen Stellen leichte Kratzer, absolvierte aber seine doch sehr umfangreiche Aufgabe mit seiner in sich ruhenden Stimme. Zusammen mit Bass und Alt gelang ihm beim "Et incarnatus est" des Credo ein echter Höhepunkt dieser Kirchenmusik.
Ursula Bommer sang die Alt-Partie, und es war gut, gerade sie zu verpflichten, die solistisch versiert die Partitur anging und es stets vermag, tiefe Ausdrucksfreude in den Messteilen zu vermitteln. Im solistischen Dreiklang wurde diese sich nie selbst produzierende Bescheidenheit in der Darstellung wohltuend markant erlebbar.
Mimari Urano (Bass) vervollständigte das solistische Quartett und es leuchtete da eine Bassstimme von hoher Stimmqualität und erheblichem Volumen auf, die ein erstes Gastspiel in Kolbermoor bekam. Souverän in der stimmlichen Präsenz erklang da sein Part im "Domine Deus" (Gloria) und im finalen "Agnus Dei". Angenehm in der Höhe und kraftvoll bleibend in der tiefen Lage, ließ somit Mimari Urano keine Wünsche offen. Dirigent Gerhard Franke hatte Chor, Orchester und Solisten mit straffer Hand stets im Griff. Somit feierte das Publikum die souveräne Aufführung dieses anspruchsvollen Werkes und erhob sich beim Beifall von seinen Sitzen.

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