112.03.10|Kultur|Kultur|
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Was geschieht, wenn drei leidenschaftliche Musiker aus dem jeweils südlichsten Teil ihres Landes aufeinandertreffen? Wie fühlt es sich an, wenn sich italienische Emotionalität mit rauer bayerischer Herzlichkeit vereint? Was passiert, wenn jeder für sich ein Genie ist, sie sich zusammen aber selbst übertreffen? Das Trio Werner Schmidbauer, Pippo Pollina und Martin Kälberer hat die Antworten auf diese Fragen in den Mühldorfer Haberkasten gebracht.
Es "wird aufgspuit", oder um es frei ins Italienische zu übersetzen: "Cantiamo insieme". Der Abend hält, was schon das Eröffnungslied verspricht: ein italienisch-bayerisches, musikalisches Meisterwerk, das bereits bei den ersten Akkorden ansteckt. Es dauert nicht lange, bis Pippo Pollina und Werner Schmidbauer das Publikum zum Singen bringen. Das Lebensgefühl der drei "Südstaatler" auf der Bühne reißt mit, gerade in kalten Zeiten wie diesen.
Die drei Musiker schlagen zu Beginn ruhige Töne an. Die gefühlvolle italienische Ballade "centopassi" und Schmidbauers Lied "Im Süden von meinem Herzen" klingen schön, stimmen nachdenklich. Doch die Liedermacher können auch anders: Mit dem Akkordeon und der klaren Stimme von Pippo Pollina zaubern die Musiker italienische Folklore auf die Bühne. Ein Gefühl, als würde man mit der Vespa durch ein sonniges italienisches Dörfchen brausen. Und wie könnte es anders sein, das obligatorische "Volare" bleibt nicht aus. "Vai", ruft Pippo Pollina in sein Mikrofon, "los" heißt das, aber das Publikum im Haberkasten versteht die Aufforderung zum Singen auch ohne Übersetzung.
Nicht nur Publikum und Künstler, sondern auch die Künstler untereinander verstehen sich gut. Kennengelernt haben sich Pippo Pollina und Werner Schmidbauer bei einem Konzert des Sizilianers in Schmidbauers Heimatstadt Bad Aibling. Während des Auftritts riss dem Künstler eine Gitarrenseite und Werner Schmidbauer, der im Publikum saß, sprang kurzerhand ein und zog eine neue auf. Der verdutzte Pollina, der den bayerischen Liedermacher damals noch nicht kannte, forderte Schmidbauer zu einem gemeinsamen, improvisierten Stück heraus - die Harmonie passte, das Publikum war begeistert. So entwickelte sich nach und nach eine Freundschaft und die Idee einer gemeinsamen Tournee. "Musik ist eine Brücke", erzählt Pippo Pollina auf der Bühne und für die Verbindung der beiden Künstler trifft dies auf jeden Fall zu.
Seinen Höhepunkt findet das bayerisch-italienische Spektakel im Stück "Südhang". Martin Kälberer spielt die "Hang" (daher der Name), ein altes, seltenes Instrument. Pippo Pollina entlockt einer gewöhnlichen Trommel, wie sie hierzulande "hauptsächlich im Sportunterricht verwendet wird", Klänge, die sprachlos machen. Seine Finger flitzen über das Instrument, verschwimmen vor dem menschlichen Auge zu einer einzigen Fläche.
Immer wieder umarmen sich Pollina und Schmidbauer auf der Bühne. Ein bisschen Nervosität ist ihnen anzumerken, schließlich ist es erst der zweite gemeinsame Auftritt. Die Umarmungen als Zeichen der Freundschaft, aber auch der Selbstbestätigung. Doch letztere haben alle drei kaum nötig, denn das Publikum ist restlos begeistert.
"Passa il tempo" nennt sich das letzte Lied der drei Künstler. Passa il tempo - die Zeit vergeht. Sie "zischt davo wia a Pfeil" singt Werner Schmidbauer. Recht hat er. An diesem Mittwochabend nämlich sind die zweieinhalb Stunden leider viel zu schnell vergangen.

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