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DerHäuptling und die Swing-Legenden

Gus Backus und Ambros Seelos kennen sich seit 50 Jahren, nun gehen sie noch einmal auf Tour

DerHäuptling und die Swing-Legenden

022.07.10|Kultur|Kultur|
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Artikel: DerHäuptling und die Swing-Legenden

Gut sieht er aus, Gus Backus. Sonnengebräunt sitzt er auf der Terrasse in Mettenheim. Drei Wochen Amerikaurlaub liegen hinter ihm, der 72-Jährige macht einen entspannten Eindruck - und ist offensichtlich bereit zu neuen Taten.

Es ist das Treffen zweier Weggefährten, die Begegnung zweier Urgesteine des Showgeschäfts: Gus Backus (links) und Ambros Seelos treten zusammen am 12. Dezember im Mühldorfer Stadtsaal auf. Foto ha

© OVB

Es ist das Treffen zweier Weggefährten, die Begegnung zweier Urgesteine des Showgeschäfts: Gus Backus (links) und Ambros Seelos treten zusammen am 12. Dezember im Mühldorfer Stadtsaal auf. Foto ha

Keine Selbstverständlichkeit. Nicht wegen des Alters, sondern weil sein Jahr bisher alles andere als glatt verlaufen ist. Im Februar erlitt Gus Backus einen Schlaganfall, von dem er sich aber gut erholt hat. So gut, dass es ihn jetzt wieder auf die Bühne zieht.

Acht Auftritte sind geplant, von Wien über Mühldorf (12. Dezember) bis in seine Heimatstadt Germering. Zusammen mit den Legenden des deutschen Swing, mit Hugo Strasser, mit Max Greger - und eben mit Ambros Seelos. Bei Mineralwaser plaudern die Weggefährten über längst vergangene Zeiten, über Musikerkollegen und über jede Menge Anekdoten des Showgeschäfts. Schöne Geschichten sind das, die da auf den Tisch kommen.

Zu erzählen gibt es einiges, immerhin kennen sie sich schon ein halbes Jahrhundert. 1960 gingen Seelos und Backus zum ersten Mal gemeinsam auf Tour. Gus stand am Anfang seiner Karriere, feierte mit "Brauner Bär und weiße Taube" und "Da sprach der alte Häuptling" die ersten Hits. Überwiegend deutschsprachige Coverversionen amerikanischer und britischer Titel hatte er damals im Programm - obwohl Gus Backus kaum Deutsch konnte: "Ich war so glücklich, als ich mir zum ersten Mal auf Deutsch ein Bier bestellt und es auch tatsächlich bekommen habe."

Wie oft sie zusammen unterwegs waren, wissen beide nicht mehr. Nur eines steht fest: "Hätte ich meine erste Frau damals so oft gesehen wie Ambros, wäre die Ehe nicht in die Brüche gegangen." Inzwischen lebt Gus Backus bei seiner zweiten Frau in Germering, ist zweifacher Urgroßvater und lässt alles ruhiger angehen.

So mancher Auftritt fiel heuer seiner Erkrankung und der anschließenden Reha zum Opfer, doch nun geht für ihn ein kleiner Traum in Erfüllung: "Noch einmal zusammen mit einer Bigband aufzutreten, ist wirklich eine große Sache."

So mancher, vielleicht sogar er selbst, hat zeitweise nicht mehr daran geglaubt. 1973 hatte Gus Backus dem Showgeschäft den Rücken zugekehrt, hatte sich unter anderem als Vorarbeiter auf den texanischen Ölfeldern Geld verdient. Auch der Comebackversuch in den 80er Jahren verlief im Sand.

Selbst nach seiner zweiten Rückkehr nach Deutschland im jahr 2002 war Gus Backus irgendwie gestrandet - auf den ganz kleinen Bühnen in Diskotheken oder auf den Altstadtfesten, wo er mit dem "Bär" und dem "Häuptling" vor allem für die Partystimmung verantwortlich war. Nun soll es deutlich seriöser zugehen - und Ambros Seelos verspricht: "Wenn wir das machen, dann machen wir es gescheit."

Dann gleitet das Gespräch wieder ab in die Vergangenheit, Gus Backus erzählt von seinen Filmen, von "Unsere tollen Tanten" und "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" und von dem heimischen Videorekorder, der immer wieder programmiert wird, wenn die alten Streifen im Fernsehen laufen.

Und dann war da ja auch noch der Auftritt im DDR-Fernsehen 1964, das Ford Mustang Cabrio, das im Osten für grenzenloses Staunen sorgte - und dieses Live-Konzert im Stadion von Karl-Marx-Stadt. "Wie immer habe ich am Ende von 'Bohnen in die Ohr'n' die Leute eingeladen, mir nach München zu folgen. Die haben so laut 'Ja' gebrüllt, dass ich noch heute eine Gänsehaut bekomme, wenn ich daran denke." Die Veranstalter fanden die Nummer nicht ganz so lustig: "Herr Backus, was war denn das? Das können Sie hier doch nicht machen." Doch er konnte, denn Gus Backus war ein Star. "Außerdem war ich jung und schön. Heute bin ich nur noch und."

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