Die Erwachsenenwelt mache es Kindern und Jugendlichen vor: In Festzelten, auf Volksfesten, nach Sportveranstaltungen oder im Vereinsleben gehören Gaudi und Alkohol meist untrennbar zusammen. "Der Konsum von Bier, Wein und Schnaps ist Teil unserer Alltagskultur geworden", stellte Psychotherapeut Peter Niederhuber eingangs einer afa-Veranstaltung zum Thema "Komasaufen - der neue Jugendtrend?" im evangelischen Gemeindehaus fest.

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Ist das Komasaufen bei Jugendlichen bereits ein Trend? "Nein", sagten jetzt zwei Experten bei einer Informationsveranstaltung in Kolbermoor. Nur eine kleine Gruppe betrinke sich bis zur Besinnungslosigkeit, die große Masse gehe vernünftig mit Alkohol um. Foto Istock
Kolbermoor - "Wie die Alten so die Jungen" könne man angesichts des Umgangs mit Alkohol in der Gesellschaft sagen, und damit seien auch jene Eltern gemeint, die sich zur abendlichen Entspannung regelmäßig Wein oder Bier genehmigten, erklärte Peter Niederhuber. Er sprach zusammen mit dem Sozialpädagogen Benjamin Grünbichler auf Einladung der Kolbermoorer Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (afa) in der evangelischen Kirche zum Thema Komasaufen. Beide Referenten sind bei "Neon - Prävention und Suchthilfe Rosenheim" aktiv.
Peter Niederhuber ist keiner, der absolute Abstinenz predigt. Ziel sei es, Jugendliche zu bewegen, verantwortungsbewusst mit Alkohol umzugehen. Kein Jugendlicher würde sich mit Absicht ins Koma saufen und jeder finde es beschämend, nach einem Koma im Klinikum in Windeln gepackt aufzuwachen.
Auch "Moralpredigten" besorgter Eltern brächten bei Pubertierenden nichts, so die Erfahrung der Fachleute. Wichtiger sei es, das generelle Verhalten des Sprösslings im Vorfeld zu beobachten. "Hat er sich insgesamt verändert, kapselt er sich ab, hat er Schlaf- und Konzentrationsprobleme?"
Benjamin Grünbichler stellte kurz Aufgaben und Ziele von "Neon - Suchthilfe Rosenheim" vor, verdeutlichte anhand von Statistiken geschlechtsspezifisches Suchtverhalten, erklärte Zusammenhänge von Alkohol und Gewaltbereitschaft und ließ mittels Videoclip Jugendliche und deren Eltern zu Wort kommen. Grünbichler ist Sucht- und Präventionsexperte, er arbeitet mit Gefährdeten ebenso wie mit Erziehungsberechtigten, Jugendtreffs und Schulen zusammen.
Erlebnispädagogik mit Risikosportarten und Wahrnehmungsschulung seien für seine Arbeit unabdingbar. Es gehe darum, den Jugendlichen Alternativen zum Alkohol aufzuzeigen - Alternativen, die Spaß machen, bei Sport, Klettern, Erlebniswandern oder auf Skitouren, wobei sie dann lernen, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Abschließend stellte Grünbichler noch die bayernweiten Suchtvorbeugungsprogramme "HaLT - Hart am Limit" und "Lieber schlau, als blau" vor.
Das Resümee beider Pädagogen war trotz vieler Problemfälle, dass das Komasaufen nicht als neuer Jugendtrend bezeichnet werden könne. Aus ihrer Praxiserfahrung schlucke nur eine kleine Gruppe Minderjähriger bis zur Besinnungslosigkeit. Die große Masse der Jugendlichen gehe aber noch vernünftig mit Alkohol um. ale
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