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Beim Feiern gibt es keine "Fremden"

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- Neue und alte Einheimische, Auswärtige und noch Auswärtigere feierten am Samstag wieder in Wasserburg das Nationenfest. Es soll daran erinnern, dass derzeit Menschen aus 64 Nationen hier leben.

Wasserburg - Dank herrlichen Sonnenscheins strömten sie diesmal schon vor 15 Uhr, die ersten Besucher beim Fest der Nationen in die Altstadt. Wenn einmal jährlich die Wasserburger aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern die besten Rezepte und Lieder oder die schönsten Kostüme aus ihrer Heimat in der Öffentlichkeit präsentieren, spielt meist auch das Wetter mit. Bis spät in die laue Sommernacht genossen die Gäste gemeinsam das bunte Programm.

Wenn sich in Wasserburg die Nationen zum gemeinsamen Feiern treffen, dann hat die Polizei am nächsten Morgen keine Sondereinsätze zu vermelden. Auf das generell friedliche Zusammenleben Menschen unterschiedlichster Herkunft, wovon das Fest nur ein sichtbarer Ausdruck ist, ist Bürgermeister Michael Kölbl besonders stolz. Das Nationenfest, das seit 1993 von RioKonkret organisiert wird, ist in dieser Konzeption im weiten Umkreis einmalig und fand am Samstag erstmals mit Neuötting einen Nachahmer. Besucher konnten erleben, wie Unterschiede das Zusammenleben erst lebendig und interessant machen und dass Gegensätze keine Widersprüche sein müssen.

Für die Kleinsten gab es diesmal im "Henagassl" ein eigenes Programm mit Kinderschminken und Basteln, Jo Riemers kleine Straßenmusikanten waren immer wieder auch an anderen Stellen anzutreffen. Viel Zuspruch fand dort der vom Institut français aus München gesponserte Geschichtenerzähler, der auf französisch und deutsch von "Arthur et Antoine" erzählte. Gelegenheit, eigens einstudierte Volkslieder zu präsentieren, hatten auch mehrfach die vom Edlinger Verein "Hilfe für Rumänien" eingeladenen Kinder, die derzeit ihre Sommerferien bei Familien im Wasserburger Raum verbringen.

Beim Bummel durch die Gassen begleiteten die Gäste wieder musikalische Klänge aus allen Kontinenten und Stilrichtungen: Tschechische und schottische Dudelsackgruppen, Rockbands, afrikanische Chor- und Trommelgruppen und gegen Ende die von Wasserburger Festen nicht mehr wegzudenkende Gruppe "Jazzanne" um Ernst Hofmann spielten auf drei Bühnen und an fast allen Häuserecken. Wenn nicht gegen 23.30 Uhr polizeilich Ruhe verordnet wäre, hätten "Bluezdorfer" mit bayerischem Rock und in Ohr und Beine fahrenden Rockklassikern die Zuschauer vor der Bühne in der Frauengasse noch lang begeistern können.

Ebenso großen Zuspruch erfuhren D/Jam/BE und Buschfeuer mit einer mitreißenden Didgeridoo-, Percussion- und Feuershow in der Hofstatt. Dem Trubel entfliehen auf dem zeitweise besonders für ältere Besucher etwas anstrengenden Fest konnte man unter anderem in der Frauengasse vor Katja Nowotnys neu eröffnetem und mit französischen Flaggen geschmücktem Laden, wo sich viele Franzosen eingefunden hatten.

So bot das Nationenfest nicht nur für Menschen fremder Herkunft die Gelegenheit, "aus den eigenen Mauern zu kommen und die Heimat zu vertreten", was der aus Marokko stammende Hassan Echcharif vom Organisatorenteam besonders betonte. Bei Aktionsständen von Vereinen wie Donum Vitae, Terre des Femmes, dem Wasserburger Weltladen, dem Verein Tukutane e.V. oder dem Helferkreis der Caritas wurde deutlich, wie viele Wasserburger sich in aller Welt engagieren, ihre Erfahrungen mitbringen und neben Feierstimmung und exotischem Flair auch auf Missstände aufmerksam machen.

Erstmals hatten sich auch die Vertreter fast aller Wasserburger Parteien für die Konzeption eigener Stände Gedanken zum Thema Integration gemacht. Und Wasserburger orientalische Bauchtanzgruppen, bayerisch-koreanische Taekwon-Do-Vorführungen, ostafrikanische Lieder aus der Wasserburger Umgebung zeigen, dass Traditionen aus aller Welt längst vor Ort begeisterte Anhänger gefunden haben und die Grenzen zwischen fremd und einheimisch tatsächlich eher verschwommen und verrückbar existieren. Immer mehr waren Besucher im bayerischen Dirndl und Lederhosen zu entdecken und Volkstanzgruppen zeigten, dass auch hier Tradition und Moderne keine unvereinbaren Gegensätze darstellen.

Besonders stolz war Peter Kammerl vom Organisatorenteam auf die Mitarbeit des "Türkischen Verein". Die inzwischen echten Wasserburger boten wieder die kulinarischen Spezialitäten aus ihrer Heimat an. Die exotischen Speisen stellten sicherlich für Viele den Glanzpunkt des Festes dar. Wie bei dem aus dem Iran stammenden Kami Razavi, waren viele der Essensstände auf dem Nationenfest von Gelegenheitswirten aus Leidenschaft zum Kochen und Stolz auf das Herkunftsland betrieben.

Bleibt zu hoffen, dass Liebe wirklich durch den Magen geht, wie Moderator Philipp Bachmann meinte, und sich die Erfahrung der drei aus Ghana stammenden und schon länger in Wasserburg und Rosenheim lebenden Freundinnen bestätigt. An ihrem Stand hatten sie viel Interesse für die eigene Kultur erfahren. Am Ende waren sie sich sicher, dass der Dialog auch über den Abend hinaus weitergeführt wird.

extra.ovb-online.de

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