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Prien: Untergrund wird erneut durchleuchtet

Untergrund wird durchleuchtet

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Prien - Das bayerische Bergamt hat die "Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdwärme" um drei Jahre verlängert. Bis 2015 haben die Marktgemeinde Zeit, im Untergrund heißes Wasser aufzuspüren.

Prien – Bereits zum zweiten Mal nach 2009 hat das Bergamt die Genehmigung aus dem Jahr 2006 verlängert, diesmal nur, weil zum einen ein „plausibles und durch gängiges Planungskonzept“ des Marktes und zum anderen eine „gesicherte Finanzierung“ vorgelegt worden seien, betonten Bürgermeister Jürgen Seifert und FG-Geschäftsführer Florian Fritsch gestern Mittag im Rathaus.

Als die Mehrheit der Priener im April 2010 ein Holzheizkraftwerk (HHKW) abgelehnt hatte, streckten Bürgermeister und Marktgemeinderat die Fühler nach einem potenten Partner für geothermische Energiegewinnung aus, die schon Jahre zuvor als Alternative für diesen Fall festgelegt worden war.

Schon Ende Juli wurde in öffentlicher Sitzung die FG-Gruppe als Partner präsentiert. Per Vorvertrag, den Geschäftsleiter Andreas Hell und FG-Justitiar Jürgen Steinhofer ausgearbeitet hatten, ist geregelt, dass die Regensburger Energiespezialisten auf ausschließlich eigenes Risiko nach heißem Wasser im Priener Erlaubnisfeld (acht mal acht Kilometer) suchen und ein Kraftwerk zur Stromerzeugung bauen dürfen, wenn sie denn fündig werden. Die überschüssige Wärme würde die Marktgemeinde bekommen, um ein eigenes Fernwärmenetz zu speisen, das zeitgleich zum Kraftwerk entstehen würde.

Mittlerweile hat FG Fritsch zufolge Daten über frühere Untersuchungen des Untergrunds von RWE Dea für „mehrere 100.000 Euro“ gekauft, um Aufschlüsse darüber zu gewinnen, wo und in welcher Menge heißes Wasser im Priener Untergrund lagert. Offenbar reicht das Material aber noch nicht aus, denn Fritsch kündigte gestern an, dass sein Unternehmen derzeit die Ausschreibung für dreidimensionale seismische Messungen vorbereite. Diese 3D-Untersuchungen sollen – vorbehaltlich der Genehmigung durch den Marktgemeinderat – im nächsten Winter über die Bühne gehen, wenn die Felder nicht bewirtschaftet werden. Dies solle nach vorheriger Absprache mit den Landwirten geschehen, betonte der Geschäftsführer, der auch für das weitere Vorgehen größtmögliche Transparenz versprach, die mit Infoveranstaltungen und unter anderem einem „Info-Truck“ gewährleistet werden soll.

Für die seismischen Messungen hat FG laut Fritsch drei Millionen Euro hinterlegt. Sie sollen Aufschluss über sogenannte Aquifere geben, unterirdische Lagerstätten heißen Wassers. Weil das süddeutsche Molassebecken vom Altmühltal zu den Alpen abfällt, wird damit gerechnet, dass Bohrungen in mehr als 6000 Meter Tiefe

nötig sein werden. So tief hat in Deutschland bisher noch niemand gebohrt. Als Lohn der Mühe erhofft man sich über 140 Grad heißes Wasser.

Fröschl kann als Referenz unter anderem auf eine erfolgreiche Bohrung in Kirchweidach in mehr als 5100 Meter Tiefe ebenso verweisen wie auf die bisher größte seismische Untersuchung auf deutschem Boden im Bereich Schnaitsee.

Wo eine Bohrstelle auf Priener Gebiet eingerichtet werden könnte, wollten Fritsch und Seifert gestern noch nicht preisgeben. Offenbar hat Energiereferent Michael Schlosser aber schon für den Fall der Fälle eine Stelle ins Auge gefasst. „Wir werden einen Bohrplatz einrichten, der von keinem bewohnten Gebiet einsehbar ist“, kündigte Seifert für den Fall an, dass es so weit kommt.

FG jedenfalls ist nach eigenen Angaben dafür gerüstet und hat mit seinem Finanzierungskonzept auch das Bergamt überzeugt, ohne auf externe Investoren angewiesen zu sein. „Wir haben den Hut auf, wir treffen die Entscheidungen“, so Fritsch. Sein Unternehmen trägt das finanzielle Risiko, die Gemeinde kann als Pfund ihr Bergrecht in die partnerschaftliche Waagschale werfen, um ihre Interessen zu sichern.

Das Konstrukt sieht vor, dass FG im Erfolgsfall aus heißem Wasser Strom produziert und den zu auf 20 Jahre festgelegten Preisen ins öffentliche Netz einspeist. Überschüssige Wärme würde die Firma der Marktgemeinde zur Verfügung stellen.

Eine Hausmarke des Gesamtinvestitionsvolumens wollte Fritsch zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen. Im Sommer 2011 war von 50 bis 55 Millionen Euro die Rede – inklusive Kraftwerk und Fernwärmenetz. Das müsste die Gemeinde bauen. Auf Grundlage des „Wärmekatasters“, in dem potenzielle Abnehmer erfasst wurden, bestehe an der Finanzierbarkeit für dieses Leitungssystem kein Zweifel, sagte Seifert gestern. Als potenzielle Großabnehmer zu „seriösen Preisen“ (Seifert) gelten vor allem die örtlichen Kliniken, die auch im Sommer Wärme brauchen. Das wiederum wirkt sich positiv auf die sogenannte Dauerlastkurve aus, ein Kriterium, das bei Genehmigungen immer wichtiger wird.

db/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © dpa

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