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Tetra-Funk bleibt im Achental weiter in der Kritik

Tetra-Funk bleibt im Achental weiter in der Kritik

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Die Diskussion über den Tetra-Funk geht weiter. Fast 200 Bürger besuchten eine Informationsveranstaltung, die die Bürgerinitiative "tetrafunkfreies Achental" im Gasthof "Zur Post" in Schleching veranstaltete. Referent war Baubiolog Johannes Schmidt. Die Moderation übernahmen Stefanie Hertel und Rudi Ritter, beide aus Schleching.

Schleching - Bürgermeister Josef Loferer lobte die Verantwortlichen der Bürgerinitiative, die Fragen um den Tetra-Funk durchleuchten wollen. Auch ihm gehe es um die Gesundheit der Bürger. Die Gemeinde sei das letzte Glied in der Informationskette und müsse Rede und Antwort stehen. Die Bundesregierung habe sich auf hoher Ebene für das Projekt entschieden - für den Aufbau eines neuen, digitalen Funkes für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) auf der Basis der Tetra-Funk-Technik.

Schmidt ging zunächst auf technische Details des BOS-Digital- und des Tetra-Funks mit 4300 geplanten Sendemasten in Deutschland und 945 in Bayern ein. Die vielen beteiligten Firmen seien ein Unsicherheitsfaktor für das reibungslos Funktionieren des Systems.

Umfassend informierte er über die ständig gesendete und gepulste Hochfrequenz des Tetra-Funks im Bereich von 380 bis 395 Mega-Hertz und die Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Grenzwerte für den Tetra-Funk mit zwei Millionen Mikro-Watt pro Quadratmeter, aber auch die noch höheren Grenzwerte für das E- und D-Netz des Mobilfunks seien inakzeptabel. Bereits bei 40000 Mikro-Watt pro Quadratmeter sei eine reduzierte Gedächtnisleistung, bei 2000 Mikro-Watt die Zunahme von Leukämie bei Kindern und bei 1000 Mikro-Watt Hirnstromveränderungen festgestellt worden. Der Europarat habe zum Schutz von Kindern und Jugendlichen empfohlen, Handys strikt einzuschränken und kein Wlan an Schulen zu installieren. Bilder von missgebildeten Ferkeln und Kälbern machten erheblichen Eindruck.

Schmidt forderte ein Moratorium, um den Ausbau des Netzes zu stoppen, bis die gesundheitliche Unbedenklichkeit sowie die technische Tauglichkeit und die Sicherheit des Tetra-Funksystems nachgewiesen sei.

In der Diskussion sprach sich Hermann Minisini von der CSU in Unterwössen für den BOS-Digitalfunk aus, der 2006 vom Bundesrat und 2009 vom Bayerischen Landtag beschlossen worden sei. "Sollen wir die bereits bestehende Belastung zum Beispiel durch Handys noch summieren," wandte Stefanie Hertel ein. Werner Hauser, Tiroler Bergwacht - Bezirk Kufstein, berichtete, dass der BOS-Digitalfunk in Österreich auf der Basis des Tetra-Funks ohne Wenn und Aber eingeführt worden sei und einwandfrei funktioniere. Die Notwendigkeit der Abhörsicherheit habe sich insbesondere bei dem Lawinenunglück in Galtür und bei einem Höhlenunfall bewiesen, als die Rettung durch "Katastrophen-Journalismus" mit eigenen Hubschrauberflügen behindert worden sei. Schmidt erwiderte, dass eine Verschlüsselung auch analog möglich sei.

Hannes Hörterer, der stellvertretende Leiter der Bergwachtbereitschaft Schleching, wies darauf hin, dass die bayerische Bergwacht ihr analoges System derzeit mit viel Regierungsgeld ausbaue. Bereitschaftsleiter Franz Loferer ergänzte, dass sich die bayerische Bergwacht jedoch nicht vom BOS-Digitalfunk zurückgezogen habe. Der analoge Ausbau werde als Übergangslösung, möglicherweise für die nächsten zehn Jahre angesehen.

Timo Kleinschroth, Kommandant der Feuerwehr Schleching, erklärte, dass es derzeit zum Beispiel zwischen Schleching und Kössen keinen Funkkontakt gebe. Schmidt wandte ein, dass das Problem auch mit Analogfunkantennen und permanenten Relaisstationen zu lösen sei.

Karlheinz Dobel aus Raiten fragte, wieweit der BOS-Digitalfunk schon eingeführt sei. Das System sei in Berlin in Betrieb und werde zunächst in Großstädten installiert, aber noch nicht flächendeckend eingesetzt, so Schmidt. Schwierigkeiten bestünden durch verschiedene Systemlieferanten in Deutschland - in Österreich gäbe es nur einen Lieferanten. Sandra Sonntag, FDP-Gemeinderätin in Unterwössen, betonte, dass sich die Bürgerinitiative gegen die Tetra-Funk-Technik richte, nicht gegen den BOS-Funk. Sie forderte eine sinnvolle einheitliche intelligente Lösung in Europa.

Viele Fragen bezogen sich auf die Gesundheitsbelastung. Zum Beispiel wollte Hartmut Rihl aus Schleching Auskunft haben über die Langzeitwirkung der hochfrequenten Strahlung. Schäden würden bleiben, obwohl der Körper einen Reparaturmechanismus habe, so Schmidt. Dr. Inga Stocks aus Schleching berichtete aus ihrer Praxis von der Zunahme chronischer entzündlicher Krankheiten und mehr umweltmedizinischen Patienten, die einem ständigen Belastungscocktail ausgesetzt seien, wobei die hochfrequente Strahlung ein Faktor sei. Den Schatz an Natur und Umwelt im Achental gelte es zu bewahren.

Sandra Hörterer aus Mettenham wies auf das "Ökomodell Achental" mit hohem ökologischen Anspruch für das gesamte Achental hin. Die meisten Landwirte würden nach ökologischen Richtlinien arbeiten. Sie forderte ein tetrafunkfreies Achental. Stefanie Hertel, seit zehn Jahren Greenpeace- Mitglied, zog vor fünf Jahren in die Gemeinde Schleching, auch weil sie vom "Ökomodell Achental" beeindruckt war.

Josef Sichler aus Grassau, der sich gegen die grüne Gentechnik einsetzt, fühlt sich von oben betrogen. Er will sich selbst informieren und selbst vertreten können. "Ohne die Sicherheit, dass die Technik für die Umwelt, Mensch und Tier unschädlich ist, darf ich heute nicht mehr zustimmen," sagte Wilfried Stockberg, Schleching. Gemeinderat Jakob Stadler begrüßte die Entstehung der Bürgerinitiative "Tetrafunkfreies Achental".

Bürgermeister Loferer betonte, dass die Gemeinde bisher noch keinen Antrag zum Bau eines Sendemasten vorliegen habe. Im Gemeindebereich gäbe es große Funklöcher. Schnellschüsse hält er nicht für gut. Das weitere Vorgehen müsse mit dem Gemeinderat reiflich überlegt werden. Er wolle dem nicht vorgreifen. bre

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