Ein Güterzug in Richtung Brenner oder Salzburg macht fast 40 Lkw weniger auf der A8 oder A 93. 38 Züge voller Brummis fahren täglich als "rollende Landstraßen" zwischen Wörgl und Brenner. Könnten die Laster schon vor Rosenheim auf Züge rollen, würde die Autobahn im bayerischen Inntal um mehrere 10000 Lkw im Jahr entlastet. Und würde es "rollende Landstraßen" auch in Richtung Salzburg geben, wäre der Effekt auf der A 8 im Chiemgau ähnlich.

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Der Verkehr über die Alpen steht im Fokus der Planungen des Logistik-Kompetenz-Zentrums Prien. Foto alpfrail/lkz
Prien - Solche Rechnungen sind die Spezialität von Karl Fischer. Seit er die Geschäftsführung des Priener Logistik-Kompetenz-Zentrums (LKZ) übernommen hat, arbeitet der frühere Spediteur mit eigenem Betrieb unermüdlich und aus Überzeugung daran, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Mit dem Projekt "München-Verona in sechs Stunden" gelang es dem LKZ seinerzeit erstmals, international Aufmerksamkeit zu erregen. Die Fahrzeit der Güterzüge auf dieser Strecke konnte durch viele Einzelmaßnahmen, die in ein Gesamtkonzept der Priener Ideenschmiede eingebettet waren, von einstmals zwölf Stunden nahezu halbiert werden. Das steigerte die Attraktivität der Schienentransversale für die Branche ganz erheblich.
Ein anderes Produkt, das Fischer und das LKZ mit aus der Taufe gehoben haben, ist der Adria-Zug. Dreimal wöchentlich bewältigt er derzeit die Strecke München-Triest. Der Güterzug ist 550 Meter lang, das entspricht fast 40 Lkw. Bald sollen Fischer zufolge mindestens fünf "Adria-Züge" wöchentlich auf die Reise über die Alpen geschickt werden.
Es folgte "AlpFRail" ("Alpine Freight Railway"). Unter Federführung des LKZ gelang es, die Kapazität der Tauernachse, einer der zentralen Bahnverbindungen über die Alpen, seit 2006 laut Fischer um 90 Prozent zu steigern. Seine Kunst lag vor allem auch darin, die Entscheidungsträger aus mehreren Ländern, die bis dahin meist nur den Verkehr auf ihrem eigenen Gebiet im Auge hatten, an einen Tisch zu holen und an einem (Schienen-)Strang ziehen zu lassen.
Das gilt auch für "Transitects". Bei diesem neuen Projekt, dessen Abkürzung für "Transalpine Transport Architects" steht, ist der Name mehr denn je Programm. Alle zwei Monate treffen sich 30 Verantwortliche aus mehreren Alpenländern zum "Jour fixe" - zuletzt beim Symposium "Logistik Innovativ" in Prien, demnächst dann in Rom.
Bei "Transitects" wird neben Straße und Schiene ein dritter Verkehrsweg mit in die Überlegungen einbezogen: das Wasser. Täglich laufen im Hamburger Hafen Schiffe ein, beladen mit tonnen- und containerweise Gütern aus China und Indien, die für Adressaten im Freistaat bestimmt sind. Die Frachtschiffe umrunden Europa, damit fast die Hälfte solcher Waren dann in der Hansestadt auf Lkw umgeladen werden, die sich auf den weiten Straßen-Weg nach Bayern machen. "Die Frage, warum das so ist, hat sich noch keiner gestellt", sagt Fischer.
In "Transitects" wird sie gestellt. Fünf Tage und weite Wege für die Brummis könnten eingespart werden, würden Frachtschiffe mit solchen Gütern schon in einem der großen Mittelmeerhäfen anlegen. In Triest, Venedig oder Rieka wird Fischer zufolge derzeit kräftig investiert, um die logistischen Voraussetzungen zu schaffen, dort größere Gütermengen umschlagen zu können.
Im Freistaat gibt es nach Fischers Angaben zwar geeignete Umschlagplätze, um Lkw-Güter auf die Schiene zu verfrachten, zum Beispiel in München, Ingolstadt und Augsburg, aber nicht im südostbayerischen Raum. Und weil die heutigen Regelungen für Brummi-Fahrer bewirken, dass Fahrten bis zu vier Stunden wirtschaftlich besonders interessant sind, sieht Fischer hier Nachholbedarf, um die Attraktivität der "rollenden Landstraße" (Lkw auf Güterzügen) weiter zu steigern. Die Standortesuche für einen geeigneten Umschlagplatz steht für den LKZ-Chef deshalb weit oben auf der "Transitects"-Liste.
Immer mehr Umweltrestriktionen für Lkw, Nacht- und "sektorale" Fahrverbote wie im österreichischen Inntal sieht Fischer auch als Chance, die Verlagerung von der Straße auf die Schiene weiter vorantreiben zu können. Dass das vonnöten ist, ist Fischers Überzeugung.
Zwar habe die Transportbranche im vergangenen Jahr durch die Wirtschaftskrise Rückgänge hinnehmen müssen, aber unterm Strich habe sich der Lkw-Verkehr in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt und werde weiter steigen - vor allem auch auf der A8 als Verbindung in Richtung Osteuropa.
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