Prien - Unten strahlten die Prienarria und ihr Publikum, von oben strahlte die Sonne.

Gefangen im Käfig der Bürokratie.
Der Priener Faschingszug zum närrischen Finale am gestrigen Nachmittag lockte genau 40 Themenwägen und Fußgruppen an, so viele wie seit langen Jahren nicht mehr.
Und der Sonnenschein trug auch dazu bei, dass die Straßenränder stellenweise überfüllt waren. Es dürften an die 10.000 Zuschauer gewesen sein, die den ersten Priener Gaudiwurm seit drei Jahren erlebten - und einen der größten seit langem.
Die selbst auferlegten Regeln (kein Zug-Bulldog mit mehr als 100 PS, kein exzessiver Alkoholkonsum auf den Wägen und ein Dezibellimit) wählten einige Gruppen gleich zu ihrem Thema. So brachte es "der perfekte Faschingswagen", angetrieben von einem simplen Radl, auf nicht mal zehn Dezibel. Den vielleicht ältesten Traktor hatte die Aschauer Garde dabei - ein 60 Jahre altes Gefährt mit 10,5 PS.
Aber auch sonst waren viele heiße Eisen originelle verbal und optisch treffend in Szene gesetzt. Eine Auswahl der Sprüche: "De Schlaglochpistn is iaz nimmer do, dafür steht in Rins da Blitzer wieder öfters da." "Wenn die Welt im Herbst untergeht, schaust Du ohne Arche saublöd". "Schaben, Dreck und Mäusekot, alles ist im Müller Brot."
Lustig war meist aber auch, was sich nicht reimte, zum Beispiel der Wagen, der die kürzliche Gemeinde-"Heckenaktion" auf dem "Marquette"-Areal in einer kleinen, selbstgemalten Bilderserie aufs Korn nahm.
Nummer eins der auserwählten Themen waren die geplanten Erdgasbohrungen unter dem Langbürgner See, von Einheimischen liebevoll der "Lange" genannt: "Erdgasbohrung Lange, um unsere Zukunft ist uns bange" stand ebenso an einer Wagenwand zu lesen wie "Egal ob Aral, Shell oder BP, alle wollen den Langbürgnersee" oder "Im Winter warn mia fast erfroren, drum dern ma jetzt nach Erdgas bohren". Und oben auf dem Wagen ragte ein hölzerner Bohrturm in den blauen Himmel.
Nicht nur Priener Vereine und Betriebe, wie TuS, Trachtler, MSC, Hagebaumarkt und VR Bank hatten sich einiges einfallen lassen, auch aus dem Umland waren viele Narren in die Marktgemeinde gekommen, aus Breitbrunn, Gstadt, Prutting, Söchtenau, Hittenkirchen, Grabenstätt, Eggstätt, Rimsting, Gollenshausen oder Amerang.
Das Spanferkelessen, das die Prienarria für den schönsten oder originellsten Wagen ausgelobt hatte, tat wohl ein Übriges dazu, dass sich viele Narren richtig in Schale geschmissen hatten, von den Rimstinger Venezianern bis zu den Halfinger Wikingern. Auch einige kleinere Wägen, zum Beispiel der Mini-Politiker in Käfighaltung, der im Schlauchboot des Bürokratie-Rettungsdienstes saß.
Am Marktplatz, wo sich traditionell die meisten Zuschauer drängten, begrüßten Hofmarschall Tommy Feichtner und Tanja Wohlschlager alle Teilnehmer mit locker-flockigen und manchmal frechen Sprüchen. Und die Jury, zu der unter anderem die Faschingsfachleute beziehungsweise Prienarria-Ehren- und Ex-Präsidenten Bernd Ziegler und Selahattin Aksu gehörten, befand über die Originalität. Auf die Spanferkel-Party freuen dürfen sich die Priener Jungbauern, deren Bohrturm für den "Lange" alle anderen ausstach. Die Halfinger Wikinger und die Priener Tourismus GmbH (PTG) mussten sich knapp geschlagen geben.
Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)
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