208.02.10|Chiemgau|Chiemgau|
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Prien - Einst war die Klinik Roseneck die erste Einrichtung in Deutschland, die sich auf die Behandlung von Essstörungen spezialisierte. Heute setzt sie Maßstäbe in der Therapie psychosomatischer Erkrankungen, die im In- und Ausland Beachtung finden. Menschen über Menschen, die am Abgrund stehen, geben Ärzte und Helfer nun schon seit einem Vierteljahrhundert in Prien Halt. Das 25-jährige Bestehen des Hauses, das zu den Schön-Kliniken gehört, hat die Chefetage am Freitag mit vielen Ehrengästen gefeiert. Die Klinik Roseneck gehöre heute, so Geschäftsführer Dieter Schön, "national und international zu den bekanntesten Therapiezentren für Essstörungen". **Bilder und Video auf chiemgau24.de**

© Berger
Die Klinik hat einen neuen Ärztlichen Direktor: Auf Professor Dr. Manfred Fichter (rechts) folgt Professor Dr. Ulrich Voderholzer. Fotos Berger
Prien - Die Familie Schön eröffnete Anfang 1985 die Einrichtung in der Marktgemeinde. Sie war der Ausgangspunkt für die 15 Schön- Kliniken, die mittlerweile zu den größten deutschen Klinikgruppen in privater Trägerschaft zählen und sich auf Psychosomatik, Neurologie und Orthopädie spezialisiert haben. In den vergangenen 25 Jahren sind in der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Roseneck mehr als 50000 Menschen behandelt worden. Mit dem Klinikjubiläum ist auch ein Führungswechsel verbunden: Professor Dr. Manfred Fichter, der von Beginn an Ärztlicher Direktor war, legt das Zepter aus der Hand (wir berichteten). Sein Nachfolger ist Professor Dr. Ulrich Voderholzer.
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In seinem Rückblick betonte Professor Fichter, sein Anliegen sei immer gewesen, klinische Tätigkeit mit Forschung zu verbinden. Am Anfang habe ihm die Vorstellungskraft gefehlt, dass er diesen Anspruch auch tatsächlich umsetzen könne. Mit der Zeit habe er dann aber festgestellt, dass man die Arbeit mit dem Patienten und die Wissenschaft sehr wohl in Einklang bringen und dann zu gegenseitigem Nutzen führen könne.
Als damals erste Einrichtung habe sich die Klinik Roseneck auf das Thema Essstörungen spezialisiert. Stationen und Gruppen seien aufgebaut worden. Und mit der Zeit sei ein Ansatz gereift, der, so Fichter, in die Zukunft der Psychosomatik weise: Aufzustellen sei stets "ein auf den Patienten hin maßgeschneidertes Programm".
"Ich blicke zurück in Dankbarkeit", betonte der Professor. In all den zurückliegenden Jahren habe er "so viele interessante Menschen" kennengelernt. "Es hat Spaß gemacht."
Professor Voderholzer betonte, dass er ein "sehr wohl bestelltes, gut organisiertes und verwaltetes Haus" übernehme, das sich in den vergangenen 25 Jahren einen "außerordentlich guten Ruf" erworben habe. "Tolle Arbeit" sei geleistet worden. In der Klinik werden laut dem Nachfolger von Fichter "sehr gute Therapieergebnisse" erzielt. Voderholzer ist, wie er sagte, ein gebürtiger Chiemgauer. Er wechselte von der Universitätsklinik Freiburg nach Prien.
Der neue Ärztliche Direktor setzt sich zum Ziel, wie er sagte, zum einen die Kontinuität zu pflegen und die Arbeit mit den erstellten Ansätzen fortzusetzen. Zum anderen wolle er jedoch auch neue Konzepte einführen. Eine Aufgabe sehe er darin, die langfristigen Ergebnisse der Behandlungen noch besser zu messen. Um die Menschen früher erreichen zu können, seien die bestehenden Netzwerke weiter auszubauen. Und voranzutreiben sei auch die Schärfung des Profils: Anzustreben sei eine weitere Spezialisierung.
Peter Krase, Ressortdirektor der AOK Bayern, sagte, dass sich die Klinik Roseneck einen Ruf "weit über die Grenzen Bayerns" erworben habe. Er lobte das Konzept der Schön Kliniken, das den Menschen in den Mittelpunkt stelle und ihm "Medizin auf höchstem Niveau" biete. Die AOK bleibe ein "verlässlicher Partner".
Professor Dr. Klaus Peter, Altdekan der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und Ärtzlicher Direktor a.D. des Klinikums der Universität München, lobte die außerordentliche Professionaliät und Weitsicht in Prien - und zwar immer zum Wohle des Patienten. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Gesellschaft stark verändert. Auch die Medizin habe ihr Antlitz gewandelt. Er sprach von einem "unglaublichen Fortschritt" in den naturwissenschaftlichen Fächern. Gewachsen sei jedoch eine Erkenntnis: die Verpflichtung zu kooperieren.
Was in Prien mit der Klinik Roseneck entstanden sei, sei "hoch faszinierend", betonte Professor Dr. Hans-Jürgen Möller, der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU. In der Klinik Roseneck seien Konzepte entstanden, die "weit über die Psychosomatik hinausgehen". Professor Möller würdigte den Ansatz in Prien, die Zusammenarbeit zu suchen - und er versicherte für sein Haus, diese Kooperation fortzusetzen.
Auch zwei wissenschaftliche Vorträge standen auf dem Programm. Für eine musikalische Umrahmung des Festaktes in der Klinik sorgte ein Sextett unter der Leitung von Judith Wagner.
pü/Chiemgau-Zeitung
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