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Klassenzimmer erhalten Lüftungen

Klassenzimmer erhalten Lüftungen

017.03.10|Chiemgau|Chiemgau|
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Artikel: Klassenzimmer erhalten Lüftungen

Die Würfel sind gefallen: Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat in Bernau beschlossen, in der Volksschule Lüftungsanlagen in rund einem Dutzend Räumen einzubauen. Die Apparate, die die Luft künftig verbessern, kosten voraussichtlich rund 100000 Euro. Nach Abzug der Förderung über das Konjunkturpaket II der Bundesregierung muss die Gemeinde nach Angaben der Verwaltung mit Ausgaben in Höhe von voraussichtlich rund 15000 Euro rechnen.

Bernau - Unterstützt vom Bund unterzieht die Kommune die Schule einer energetischen Sanierung. Bereits im vergangenen Jahr hat sie angefangen, ihr Vorhaben zu verwirklichen, und die Scheiben der Fenster ausgewechselt. Weitere Maßnahmen wie etwa die Abdichtung der Gebäudehülle folgen. Geplant werden sie in Absprache mit der Gemeinde von Architekt Fritz Angele aus Riedering und Ingenieur Wilfried Wastl aus Kolbermoor.

Gegenüber den ursprünglichen Zielsetzungen hat die Gemeinde die Sanierung Schritt für Schritt erweitert. Neben der energetischen Sanierung plant sie jetzt insbesondere auch, den Brandschutz zu verbessern. Hatte sie anfänglich mit Kosten in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro gerechnet, so sind sie mittlerweile auf schätzungsweise 2,1 Millionen gestiegen.

Enthalten im Bündel der Maßnahmen ist auch der Einbau von dezentralen Lüftungsanlagen. Um einen Eindruck zu gewinnen, wie diese Anlagen funktionieren, welche Vor- und welche Nachteile sie bringen, war der Gemeinderat in die Schule nach Waging gefahren. Hatte er eine Entscheidung zuletzt noch vertagt (wir berichteten), gab er jetzt mit 15 zu sechs Stimmen grünes Licht für das vom Architekten vorgeschlagene Vorhaben. Die Lüftungsanlagen seien keine Vorschrift, so der Tenor im Gremium, sie gehörten aber mittlerweile zum gängigen, technischen Standard in den Schulen.

"Verbesserung der Luftqualität"

Wastl betonte, dass die Anlagen eine "Verbesserung der Luftqualität" bringen. Weil die Fenster in der Volksschule Bernau jetzt dicht seien, sei eine Belüftung notwendig. Möglich sei auch, regelmäßig die Fenster aufzumachen - was jedoch vor allem im Winter "nicht immer gemacht wird".

Eine CO2-Untersuchung in der Schule in Bernau habe, so Bürgermeister Klaus Daiber, "miserable Werte" ergeben. Um das Raumklima zu verbessern, seien Lüftungsanlagen unumgänglich. Schließlich zeige die Erfahrung, dass sich Lehrer und Schüler eben nicht immer zum Stoßlüften entschließen können. Die Gemeinde bemühe sich im Übrigen, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten und habe in diesem Sinne nun auch schon die Lüftungsanlagen in einigen Räumen gestrichen. So seien usprünglich einmal 16 Geräte für rund 140000 Euro geplant gewesen. Mittlerweile seien nur noch ein Dutzend für 100000 Euro in acht Klassenzimmern, dem Computer- und anderen Räumen vorgesehen.

Hansjörg Decker (Bernauer Liste) hielt den Einbau von Lüftungsanlagen "für nicht erforderlich". Er sagte, dass das Problem doch "konventionell" gelöst werden könne: Wenn nötig, so könne doch durchaus der Lehrer einfach sagen, "jetzt machen wir die Fenser auf". Die Lüftungsanlagen seien "keine Verschönerung" der Klassenzimmer, "man hört sie" - und, so Decker, "die Kinder schauen immer drauf".

Donat Praßberger (CSU) wunderte sich, das Gebäude werde "so dicht gemacht", dass jetzt Belüftungsanlagen nötig seien. Renate Wendlinger (ebenfalls CSU) sprach von einem "Irrsinn". Denn die Schule "steht mitten in einem Park" - mitten in einer Umgebung, die voll von frischer, guter Luft sei. Für Alexander Herkner (SPD) "macht es keinen Sinn, die Lüftung nur deshalb einzubauen, weil sie gefördert wird".

Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) plädierte für eine Alternative. Mit seinem Vorschlag, die Räume über Durchlässe in der Mauer kontrolliert zu be- und entlüften, konnte er sich im Gemeinderat jedoch nicht durchsetzen. Daiber: Der Aufwand wäre groß, in diesem Fall "müssten wir wieder etwas aufbrechen".

Rainer Wicha (CSU) ging auf Distanz zu den Lüftungsanlagen. Er erinnerte daran, dass die Kosten für die Sanierung des Schulhauses von 1,3 auf jetzt 2,1 Millionen Euro gestiegen seien. Die Gemeinde müsse auf nicht zwingend erforderliche Maßnahmen verzichten. "Das Notwendige muss gemacht, das Wünschenswerte aber zurückgestellt werden", so Wicha mit Blick auf die energetische Sanierung und den Einbau der Lüftungsanlagen.

Zweiter Bürgermeister Matthias Vieweger (CSU) brach hingegen eine Lanze für die Geräte. "Ich bin überzeugt, dass die Lüftung Pflicht wird", erinnerte er an die ständg wachsenden Anforderungen des Gesetzgebers. Im Rahmen der Sanierung ihres Schulhauses dürfe sich die Gemeinde jetzt nicht wie ein "100-Meter-Läufer" verhalten, der "nach 95 Metern stehen bleibt". pü

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