Über die Regionalwährung Chiemgauer hat der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen informiert. Dazu waren nur wenig mehr als 50 Interessierte in den Traunsteiner "Sailer-Keller" gekommen. Vorbehalte über die umständliche Handhabung waren genauso zu hören wie Plädoyers für den regionalen Einkauf, für den der Chiemgauer stehe.

© OVB
Alexander Jäger von "Frau Wolles Naturhaus" nimmt den Chiemgauer von Helga Mandl, Beate Walter-Rosenheimer, der Sprecherin des grünen Landesarbeitskreises Wirtschaft und Finanzen, Dieter Janecek und Sabine Ponath (von links) entgegen. Foto hans eder
Traunstein - Sepp Daxenberger, Fraktionsvorsitzender der Grünen im bayerischen Landtag, wies darauf hin, dass der Termin der Veranstaltung vor dem Hintergrund der Euro-Vertrauenskrise gut gewählt sei. "Ich werde fast jeden Tag auf meinem Weg nach München im Zug gefragt, wie es mit den Finanzen und dem Euro weitergeht", so der Waginger. Der Chiemgauer sei nicht die Lösung aller Probleme, aber er sei "gut für die Menschen, die wissen wollen, was mit ihrem Geld passiert und wie es in der Region eingesetzt werden kann".
Der Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Dieter Janecek, machte klar, dass die Diskussion um das Für und Wider des Einsatzes des Chiemgauers auch "grüne Themenschwerpunkte" wie den Einsatz von regionalen Produkten und Bioprodukten betreffe. Er warnte davor, die Globalisierung gegen das Regionale auszuspielen, wies aber darauf hin, dass man "mit dem System nicht mehr zurecht kommt, in dem nicht mehr greifbare Mächte agieren. Die Debatte muss viel tiefer gehen." Der Chiemgauer sei in der Region noch "unterbelichtet". Aber man brauche nicht nur einen Chiemgauer: "Wir brauchen ein neues Bewusststein bei den Menschen, eine Wertediskussion."
Moderator Alexander Jäger aus Traunstein sah das überregionale Interesse am Chiemgauer mit gemischten Gefühlen: "Der Chiemgauer genießt heute weltweites Interesse. Nur in der Region ist das Interesse gering." Der Chiemgauer sei ein Gegenpol zur Globalisierung. In seiner Ausgestaltung sei er dem Sternthaler aus dem Berchtesgadener Land sehr ähnlich.
Gisela Sengl, die in Sondermoning einen Bio-Hofladen betreibt, konnte sich mit dem Einsatz der Regionalwährung nicht anfreunden: "Regional wirtschaften ist einfach. Dazu brauche ich aber nicht so etwas Kompliziertes wie den Chiemgauer." Massive Kritik äußerte sie an Vereinen, die Regionalität propagierten, ihre Einkäufe für Festveranstaltungen dann aber beim Discounter vornähmen.
Christopher Levannier, Regionalbüroleiter in Traunstein, stellte die Vorzüge der Währung heraus: "Durch das Zahlen mit dem Chiemgauer zwingt man andere dazu, diese wieder in den regionalen Kreislauf einzubringen und auszugeben." Sein Wasserburger Kollege Klaus Kopp wies darauf hin, dass durch die Regionalwährung "tolle Kreisläufe" entstanden seien, "regionale Erzeugung, regionale Kreisläufe werden ausgebaut und verstärkt." Vier Millionen Euro Umsatz habe man im vergangenen Jahr generiert, nach drei Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, 450000 Chiemgauer seien derzeit im Umlauf.
Gisela Sengl machte klar, dass sie ihr Leben durch den Chiemgauer "nicht noch komplizierter" machen wolle. Geld sei vom Grundsatz her nicht schlecht, sondern etwas ganz normales. Auch die Suche nach den bestmöglichen Zinsen sei ein legitimer Vorgang.
Dem widersprachen wiederum einige Teilnehmer, die den Umgang mit dem "Mammon" als Wurzel allen Übels ausmachten. Elisabeth Heimbucher, die in Chieming eine Töpferei betreibt, spürte wenig Lust für eine Nutzung des Chiemgauers: "Den kann ich in Chieming nur an zwei Stellen loswerden. Wir Grüne sollten selbst so viel Hirn haben, dass wir wissen, wo wir einkaufen können." Burgi Mörtl-Körner aus Traunstein wies darauf hin, dass die Förderung der Vereine durch die Zuwendungen des Chiemgauers in Zeiten klammer öffentlicher Finanzen eine gute Finanzierungsmöglichkeit sei: "Das ist ein gutes Zukunftsprojekt."
Auch Anneliese Kiermaier aus Fridolfing brach eine Lanze für die Regionalwährung: "Jeder wünscht sich die Macht des Verbrauchers. Mit dem Chiemgauer habe ich diese Macht." Sabine Ponath aus Vachendorf zeigte sich von dem regionalen Aspekt des Chiemgauers begeistert: "Aber die Frage ist, ob das auch ein nachhaltiges Modell ist, wenn die Umsätze nicht mehr steigen." Kritisch äußerte sich ein weiterer Teilnehmer: "Die Wertschöpfung beginnt im Kopf und nicht im Geldbeutel." Dem entgegnete Levannier, der Euro werde dort investiert, wo er die besten Renditen bringe. "Das ist dann in Asien und von dort kommt er dann als Billigprodukt zu uns zurück." wz
Bestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.