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Gemeinsame neue Energiepolitik

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Traunstein - Der Landkreis Traunstein hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2020 will er erreichen, dass der gesamte Strom, den die Abnehmer - mit Ausnahme der Großindustrie - benötigen, aus regenerativen Energiequellen im Landkreis erzeugt wird.

Nach einer über vierstündigen Mammutsitzung hat der Kreistag am Freitag zwei wegweisende Entscheidungen getroffen: Er beschloss, ein Leitbild für eine klimaneutrale und regenerative Energiepolitik zu erarbeiten und eine Energiegesellschaft unter kommunaler Beteiligung zu gründen.

Landrat Hermann Steinmaßl betonte, dass der Landkreis "jeden Partner zur Umsetzung der Energieziele" benötige. Und weiter: Gelingen könne sie nur zusammen mit den Gemeinden.

In einem Grundsatzreferat betonte Alois Glück als Mitglied der Ethikkommission der Bundesregierung, dass der Atomausstieg nur in einer großen Gemeinschaftsanstrengung aus Politik, Wirtschaft, weiterer gesellschaftlicher Kräfte und der Bürger verwirklicht werden könne. Die Energieversorgung sei ein Projekt der Bürgergesellschaft, so Glück, der gleichzeitig deutlich machte, dass die Nutzung der Kernenergie mit weltweit 400 Atomkraftwerken (AKW) weiter hoch bleibe.

Glück betonte, dass Deutschland in Sachen Energiewende eine Vorreiterrolle besitze. "Wenn wir hier Mist bauen, werden die anderen den Weg nicht beschreiten." Er malte auch die Gefahren eines Scheiterns an die Wand: "Wenn das nicht gelingt, dann wird das abenteuerliche Ausbeuten der Erde mit Tiefseebohrungen und ähnlichem weitergehen, bis es einmal in einem Desaster endet." Für ihn sei jedoch nicht entscheidend, ob die Umstellung der Energieversorgung "in zehn oder 13 Jahre gelingt". Entscheidend sei vielmehr, dass sie gut gelinge und national wie international nachhaltige Auswirkungen habe.

Energiemix ist anzustreben

In den anschließenden Fachvorträgen machten die Referenten deutlich, dass die ehrgeizigen Klima- und Energieziele nur mit einem "Mix" aus verschiedenen erneuerbaren Energien darstellbar seien. Diplomingenieur Günther Hartmann aus Seebruck erläuterte das Potenzial der Wasserkraft, bei der eine Verdoppelung der Energieleistung möglich sei. "Das geht aber nur mit Salzach und Tiroler Ache", betonte er. Fachvorträge über Biogasanlagen, Geothermie anhand der Anlage in Traunreut, sowie Fotovoltaik und Windenergie rundeten den "Vortragsmix" über den "Energiemix" ab und zeigten den Kreisräten Chancen und Risiken des Einsatzes der jeweiligen Energieträger auf.

Dass die Energiewende auch für energieintensive Industriebetriebe langfristig eine wirtschaftliche Überlebensfrage und ein bedeutender Standortfaktor sind, machte Alzchem-Vorstand Stefan Greger deutlich. Er forderte Versorgungssicherheit. Er könne nicht sehen, wie der Energiebedarf der großen Industriebetriebe auf absehbare Zeit zu decken sei. Nachbarländer sähen hier eine große Chance. "Ich würde aber auch im Jahr 2025 lieber Strom vom AKW Isar II kaufen als vom tschechischen AKW Temelin", trat er merklich auf die Euphoriebremse.

Christian Nagel von Eon Bayern zeigte die Sensibilität der Stromnetze auf, deren Verletzbarkeit das Nadelöhr zur sicheren Energieversorgung sei. Eine wirtschaftliche und umweltfreundliche Energieversorgung könne nur im Schulterschluss zwischen Energiewirtschaft und Politik gelingen.

"Sternstunde des Kreistages"

Zu dem Themenkreis lagen verschiedene Anträge von ÖDP, BP, FDP und Bündnis 90/Die Grünen vor. Landrat Steinmaßl sagte, dass seiner Überzeugung nach eine Grundsatzentscheidung zur Erarbeitung eines Leitbildes nötig sei, das gemeinsam mit dem Arbeitskreis Sonnenkreis, den Kreistagsfraktionen und den Gemeinden erarbeitet wird. Außerdem sei die Gründung einer regionalen Energiegesellschaft grundsätzlich zu begrüßen.

Das Vorgehen traf auf Zustimmung. Die Anträge aus den Fraktionen wurden zur weiteren Beratung in die Ausschüsse verwiesen.

Karl Kaditzky (CSU) lobte die Sitzung als "Sternstunde des Kreistages". Man brauche ein Leitbild, an dem aber noch gemeinsam gearbeitet werden müsse. Sepp Hohlweger (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte eine vom Landrat in seiner einleitenden Rede gezeigte Fotozusammenstellung von Kundgebungen und Demonstrationen, die er unter das Motto "Gegen-alles-Sein bringt uns nicht weiter" gestellt habe. Hohlweger kritisierte, eine solche Darstellung "verunglimpfe Ehrenamtliche". Steinmaßl betonte, ihm sei trotzdem daran gelegen, dass man sich in dem Thema einig werde und die Beschlüsse gemeinsam fasse.

Johann Schild (SPD) unterstrich, man könne die gesteckten Ziele erreichen, wenn man zusammenhelfe. Der Einsatz der erneuerbaren Energien müsse aber auch im Einklang mit der Natur stehen. Der Industrie müsse die nötige Energiesicherheit gegeben werden.

Helmut Kauer (ÖDP) sagte, seine Fraktion werde am Erstellen eines Leitbildes mitwirken. Für die ÖDP sei die Betonung der Energieeffizienz wichtig.

wz/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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