011.08.10|Bad Aibling|Bad Aibling|10
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Die Strompreise werden in Bad Aibling vorerst nicht fallen, ganz im Gegenteil: Die Aiblinger Kunden werden gar mit einer Erhöhung rechnen müssen - trotz allgemein sinkender Energiekosten.

© Grafik Stadtwerke Bad Aibling
Die Stromkosten werden nach den Berechnungen der Aiblinger Stadtwerke zu 43 Prozent durch staatliche Abgaben wie Steuern und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) belastet (Tarif Aib-Medi).
Grund: die langfristigen Einkäufe der Stadtwerke Bad Aibling: Zu hochpreisigen Zeiten waren die Kontingente für 2011 erworben worden, weshalb Stadtwerkechef Fritz Walter Keilhauer zufolge wohl erst 2012 eine Entspannung zu erwarten ist.
Bad Aibling - "Unangenehme Nachrichten" hatte der Stadtwerkechef in jüngster Sitzung des Werkausschusses zu vermelden: Die Stromkosten für die Aiblinger Kunden werden sich 2011 um 2,5 bis drei Cent erhöhen, basierend auf den höheren Einkaufspreisen, wie Keilhauer vor den Stadträten erläuterte.
Im Jahr 2008 hätten die Stadtwerke bereits das Stromkontingent für 2011 an der Leipziger Strombörse erworben - zu hochpreisigen Zeiten, wie der Stadtwerkechef ausführte. Und: "Niemand hatte damit gerechnet, dass die Preise wieder fallen würden, schon gar nicht in dem Ausmaß." Wie insgesamt 125 andere Stadtwerke in Deutschland käme auch Bad Aibling nicht um eine Erhöhung umhin. Erst für die Jahre 2012 und 2013 rechnet Keilhauer mit einer Entspannung der Lage.
Doch damit nicht genug: In welcher Höhe und ob dann überhaupt eine Senkung der Preise ab 2012/2013 möglich wird, ist dem Stadtwerkeleiter zufolge auch vom "Erneuerbare Energien Gesetz" (EEG) abhängig (Kostenbeteiligung an alternativer Stromerzeugung). Denn EEG-Abgabe und Steuern würden einen beträchtlichen Anteil des Preises pro Kilowattstunde ausmachen. Keilhauer erläuterte dies am Beispiel des Stadtwerke-Tarifs Aib Medi für 20,40 Cent pro Kilowattstunde: Nur 34 Prozent seien reine Energiekosten, der Rest Abgaben und Steuern: 10 Prozent EEG, 16 Prozent Mehrwertsteuer, 10 Prozent Ökosteuer, 24 Prozent Netzabgabe, sechs Prozent Konzessionsabgabe und ein Prozent Kraft-Wärme-Kopplungs-Abgabe. Summa summarum, errechnete Keilhauer: 43 Prozent der Kosten für eine Kilowattstunde seien staatlich verursacht.
Für 2011 erwartet der Stadtwerkechef eine weitere Steigerung des EEG-Zuschlags von 2,047 auf 4,4 Cent pro Kilowattstunde, eventuell sogar noch mehr. Denn: Aus den Jahren 2007 bis 2009 bestehe noch Nachholbedarf - der Staat habe mehr "grünen" Strom vergütet, als Mittel bereitstanden (vor allem Solar- und Windenergie), was mit einer deutlichen Erhöhung der EEG-Abgabe nun aufgefangen werden könnte, vermutet Keilhauer. "Insofern kann es passieren, dass zwar die reinen Strompreise sinken, wir dies durch die steigende EEG-Abgabe aber nicht weitergeben können", führte er aus. Seiner Ansicht nach ein politisches Problem: "Die Politik sollte so ehrlich sein, dass das EEG beträchtliches Geld kostet und nicht die Energieversorger als Abzocker hinstellen." Aktuell sei durch die EEG-Abgabe ein durchschnittlicher Aiblinger Haushalt mit 120 Euro im Jahr betroffen.
In Sachen Stromeinkauf will Keilhauer nun für die Zukunft das Stadtwerke-Portfolio umstellen: auf ein dreigeteiltes, individuelleres Beschaffungskonzept. Um die Mengenrisiken zu reduzieren, sollen künftig unter anderem die Kontingente für Top-Kunden und größere Kundengruppen separat eingekauft werden. Überdies wollen die Stadtwerke in die "aktive Bewirtschaftung" einsteigen, was Keilhauer zufolge bedeutet, dass bereits gekaufte Strommengen auch wieder abgestoßen und zu einem günstigeren Zeitpunkt erneut zugekauft werden können. Somit will man bessere Preise erzielen.
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